Blut am Adventskranz

19/12/2019

Seit nunmehr 6 Jahren dekoriere ich gemeinsam mit meinem Mann John für Weihnachten. Er ist dabei dabei der Impulsgeber, ich habe nur Veto-Rechte. Er lieeebt Weihnachten und hüpft am 1. Dezember mit leuchtenden Augen durch das Haus, während er alle Kisten mit dem Adventsschmuck zusammensucht. Je mehr und bunter desto besser, lautet seine Devise. Ich bin eher für die dezente grün-rote Variante. Eine Einigung lässt sich da nur schwer erzielen.

Jahrmarkt-Feeling im Wohnzimmer

Die bunten Girlanden aus den 70ern, die wir im ersten Jahr noch quer durch Johns altes Apartment spannten, blieben seitdem zum Glück in der Kiste. Sie hatten für mich so gar nichts mit Weihnachten zu tun. Dezent geschmückt ist unser Haus allerdings auch in diesem Jahr nicht. Wenn wir die gesamte Beleuchtung einschalten, könnte man unser Wohnzimmer für einen Weihnachtsmarkt halten. Aber bis auf ein paar kleine kitschige Elemente finde ich unsere Weihnachtsstube urgemütlich.

Prinzipien…

Für mich muss es ein echter Baum sein, weil ich den Tannenduft so liebe und weil er mich so an Weihnachten in meiner Kindheit erinnert. Bei John dürfen die persönlichen Sachen am Weihnachtsbaum nicht fehlen. All die Spielsachen und Kugeln, die in seiner Kindheit schon am Baum hingen. Einige sind sogar noch mit Süßigkeiten befüllt, die älter sind als ich. Seit wir zusammen sind, kaufen wir jedes Jahr gemeinsam einen Weihnachtsschmuck, der unsere Sammlung ergänzt.

…und Kompromisse

Statt filigraner Kugeln und einem ‚Thema‘ gibt es bei uns am Baum ein buntes Durcheinander mit dem alle gut leben können. Ganz unten hängt Unzerbrechliches, das unser 2-Jähriger abnehmen und damit spielen darf. Die 40-Jahre alten, mit Schokolade befüllten Anhänger verbannen wir ganz nach oben, damit sich niemand den Magen verkorkst.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Es bekommt also niemand seinen Willen. John nicht seinen Tinsel und ich nicht mein grün-rotes Farbthema. So ist das wohl in einer Ehe. Bei den Weihnachtsgeschenken läuft das hoffentlich anders und es bekommt jeder was er möchte.

Um so erfreuter war ich, als ich bei der Predigt in der Kirche am 3. Advent hörte, dass der Weihnachtsbaum ursprünglich lediglich mit roten Äpfeln geschmückt war. Als die meisten Menschen weder lesen noch schreiben konnten, wurden Bibelgeschichten durch Aufführungen erzählt. Am Weihnachtsabend gab es traditionsgemäß die Geschichte von Adam & Eva. Dafür brauchte man einen Baum der im Winter noch grün war. Und Äpfel spielten bekanntlich auch eine tragende (bzw. hängende) Rolle. Mein unterbewusster Wunsch nach der traditionellen Zweifarbigkeit kam also nicht von ungefähr!

Woher kommt jetzt das Blut am Adventskranz?

Ein Streit entbrannte deswegen zwischen John und mir trotzdem nicht. Woher kommt nun also das Blut am Adventskranz wenn nicht vom Streit um die Weihnachtsdekoration? Auch der Adventskranz, der in Irland für gewöhnlich in der Weihnachtszeit die Haustüren schmückt, hat einen tieferen Sinn. Er entstammt den alten Römern, die einen geflochtenen Blätterkranz auf dem Haupt trugen, wenn sie siegreich nach Hause zurückkehrten. Nach der Kreuzigung Jesu übernahmen seine Anhänger dieses Symbol als Siegeszeichen über den Tod. Geläufiger ist wohl die Symbolik des immergrünen, runden Kranzes als Sinnbild für das ewige Leben. Doch keine Kreuzigung ohne Blut. Rote Beere, die zum Teil heute noch unsere Adventskränze schmücken oder durch Kugeln und Schleifen ersetzt werden, sollen das Blut Christus‘ symbolisieren.

Wieder was gelernt

Ich gehe nun schon eine Weile regelmäßig mit meinem Mann und den Kindern in die Kirche. Das Kirchenjahr habe ich bereits mehrmals durchlaufen. Dennoch lerne ich jede Woche etwas Neues. Dieses Mal fühlte ich mich allerdings ein bisschen wie ein Schulkind, das es kaum erwarten kann das Gelernte zu teilen. Ich mochte diese leicht verdaulichen Informationen, die ich im Gegensatz zu den wöchentlichen Lesungen einmal nicht in der Kinderbibel unseres Sohnes nachlesen brauchte.

Mit dieser kleinen Weihnachtsschmuckkunde verabschiede ich mich in die Weihnachtsferien. Ich wünsche allen ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Danke für’s Lesen, aber über die Feiertage ruhig mal das Handy oder den Computer beiseite legen. Genau das werde ich auch tun. Ich freue mich auf eine schöne und besinnliche Zeit mit meiner Familie.

2 Comments

  1. Werner Schauer

    Wir wünschen Euch ein Weihnachten mit allem was Ihr bestellt habt und einen altersgerechten Rutsch in das neue spannende Jahr.
    Sabine und Werner Schauer.

  2. Sylvia

    Lieben Dank! Das gleiche zurück an meine treuesten Leser ;-)! Altersmäßig werden wir uns mit dem Feiern wohl unseren Kindern anpassen und um 8 ins Bett gehen!

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