Das Meer – mein ständiger Begleiter

18/06/2018

Als geborener “Binnenländer” bleibt das Meer für einen irgendwie immer etwas besonderes, selbst wenn man es irgendwann direkt vor der Nase hat.

Ich erinnere mich wie mir als Kind meine Groβeltern immer von ihren Ostseeurlauben vorschwärmten. Sie schien für mich unerreichbar bzw. fünf lange Autostunden im (unklimatisierten) Trabant von Zuhause entfernt. Es sollte noch einige Jahren dauern bis ich die Ostsee selbst zu Gesicht bekam…

Letzendlich machte ich zuerst mit dem Mittelmeer Bekanntschaft, wo ich mehrere tolle Sommerurlaube mit meiner Familie verbrachte. Allein die Erinnerung an die warme Luft, leicht angereichert mit dem Duft von Sonnencreme und das gleichmäβige Rauschen der Wellen lösen noch heute ein wohliges Gefühl in mir aus. Das war der Beginn einer lebenslangen Faszination.

Durch glückliche Umstände verschlug es mich Jahre später zum Studieren an die Ostseeküste nach Stralsund. „Studieren wo andere Urlaub machen“ heiβt der stolze Slogan der Hochschule. Wie oft haben meine Mitstudenten und ich ihn verflucht, wenn wir statt am Strand auf dem Campus zum Lernen saßen. Doch manchmal, wenn ich an der Sundpromenade mit Blick auf das spiegelglatte Wasser entlang radelte, lächelte ich zufrieden vor mich hin und dachte: „Kaum zu glauben, ich wohne am Meer!“

Danach zog ich in das auch irgendwie maritime Hamburg. Perfekt zwischen Nord- und Ostsee gelegen, war da immer noch der eine oder andere Wochenendausflug an die Küste drin.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Herbstausflug mit einer sehr guten Freundin nach St. Peter Ording, dessen Ruf als Traumstrand ihm vorauseilte und wovon wir uns unbedingt selber überzeugen wollten. Schön warm eingemummelt trotzten wir der steifen Brise und belohnten uns im Anschluss an den Spaziergang mit einem heiβen Kakao in einem reetgedeckten Café hinterm Deich. Auch das ist „Strandurlaub“.

 

Nach ein paar Jahren Hamburg ging es dann für mich nach Dublin. Zwar nicht des Meeres wegen, aber auf einer Insel zu leben, wo es so viele malerische Sandstrände, spektakuläre Steilküsten und einsame Buchten gibt, hat schon etwas für sich. Inzwischen sind wir aus der Stadt noch weiter in Richtung Meer gezogen und nun ist es mein Mann, der immer sagt, “Wir leben da, wo andere Urlaub machen” und ich denke mir, recht hat er!

Lieblingsstrände

Schon bei meinen Kurzbesuchen in Dublin, bevor ich auswanderte, musste neben Groβstadtleben und Pub mindestens ein Strandspaziergang drin sein. Und das ist auch gar nicht so schwierig zu vereinbaren. Innerhalb von wenigen Minuten ist man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an einen der breiten Sandstrände vor den Toren der Stadt gefahren. Ich möchte euch hier  einige meiner persönlichen Lieblingsstrände in Dublin und Umgebung vorstellen.

Der Strand der mein Leben veränderte

Ich erinnere mich gut an einen verregneten Oktobermorgen, an dem ich ein wenig deprimiert im Hotel auf einem meiner alljährlichen Kurztrips nach Dublin saß. Für das verlängerte Wochenende war eigentlich ein Treffen mit der Mädels-Clique aus meinem Irland-Praktikum geplant, was aus diversen Gründen leider nicht stattfinden konnte. Und so strandete ich allein in besagtem Hotelzimmer. Ich gab mir gedanklich einen kräftigen Tritt in den Hintern und nahm trotz Regen und Stimmungstief den nächsten Zug zu dem meist menschenleeren Kieselstrand von Killiney, den ich schon von vorherigen Besuchen kannte. An diesem wettertechnisch miesen Tag war er besonders einsam, doch mit jedem Schritt hob sich die Laune unter meinem großen Regenschirm. Ich hing meinen Gedanken nach, grübelte über Vergangenes und die Zukunft und das war der Moment als ich beschloss, nach Irland auszuwandern. Wenn es mir hier trotz fehlender Gesellschaft und tristem Wetter so gut ging, war das schon mal eine positive Voraussetzung. Und es stellte sich heraus, dass ich meine Entscheidung nicht bereuen würde.

Strand ohne Meer

Der Strand von Sandymount war lange Zeit unser persönlicher “Hausstrand”, als mein Mann und ich noch in Dublin wohnten. Seine „Wahrzeichen“, die zwei rot-weißen Industrieschornsteine, werden liebevoll die „Twin Towers“ genannt und stehen meines Erachtens jetzt sogar unter Denkmalschutz. Bei Ebbe bietet der eigentlich vergleichsweise kurze Strandabschnitt jede Menge Platz für einen ausgedehnten Spaziergang – es sei denn man legt Wert darauf das Meer auch zu Gesicht bekommen. Das passiert manchmal allerdings schneller als einem lieb ist – so wie uns bei einem Neujahrsspaziergang als wir ganz plötzlich von eiskaltem Wasser umringt waren. Das bekamen unsere dann zwangsläufig nackten Füβe gnadenlos zu spüren. Immerhin entstanden so seltene Aufnahmen von mir in der Irischen See, was so schnell nicht wieder vorkommen sollte.

Strand der tausend Muscheln

Selbst vor Kälte fast taube Finger können mich nicht davon abhalten am Strand Muscheln zu sammeln. Und so hüpfte ich an einem kalten Wintertag am Strand von North Bull Island, den Blick nach unten gerichtet, von Muschel zu Muschel bis sich meine Hosentaschen schwer und durchgeweicht nach auβen wölbten. Es musste vorher einen Sturm gegeben haben, denn der Boden war nur so von Muscheln übersät. Es ist als käme da ein kindlicher Sammeltrieb in mir durch. Immer wieder entdecke ich eine, die noch schöner ist als die andere oder einfach mit muss, weil sie so auβergewöhnlich aussieht. Zu Hause landen sie zumeist in einer Kiste oder ich verschenke sie weiter, weil mein Mann kein groβer Fan von Muschel-Deko ist. Aber irgendwie geht es auch gar nicht darum sie zu besitzen. Es ist vielmehr die Freude sie zu finden, wie sie da so über den ganzen Strand verteilt liegen. Kleine “Schätze der Natur”, die mir jedes Mal ein Lächeln auf’s Gesicht zaubern so wie an jenem frostigen Wintertag.

“Na das ist doch dein Junggesellinnenabschied”

Im Norden von Dublin liegt die Halbinsel Howth, die man oft schon beim Landeanflug auf die Stadt sehen kann. Hier gibt es zwar auch einen Strand, aber das eigentliche Highlight ist für mich der Küstenwanderweg bzw. Howth Summit, von dem aus man einen Wahnsinnsblick über die gesamte Dubliner Bucht hat. Der vorgelagerte Leuchtturm ist mein persönliches Lieblingsfotomotiv (und sicherlich nicht nur meins). Auβerdem mag ich Howth wegen seiner (Fisch-) Restaurants und kleinen Cafes, wo man sich nach einem Spaziergang nett was gönnen kann. Das wollten wir auch unserer Hochzeitsgesellschaft nicht vorenthalten und beschlossen das Abendessen am Vorabend unserer “Spontan-Trauung” in Howth stattfinden zu lassen. Nach einem gelungenen Dinner erhaschten wir im Halbdunkel noch kurz einen Blick auf den Leuchtturm und die herrliche Steilküste. Die dabei entstandenen Bilder sind eine wunderbare Erinnerung an einen ausgelassenen Abend und meine Freundin kommentierte sie mit den Worten: “Jetzt hattest du wenigstens noch so etwas wie einen Junggesellinnenabschied.”

 

Karibik, Australien? Nein, Brittas Bay!

Wenn wir am Wochenende die Strandtasche für einen Ausflug nach Brittas Bay packen, sind Badesachen etwas, was garantiert nicht hineinkommt. An den Strand gehen heiβt in Irland, dass man dort ein nettes Picknick macht, Sandburgen baut und sich  – wenn man keinen Pullover braucht – ganz dick mit Sonnencreme einschmiert. Auch ich habe die irische Sonne, gepaart mit der kühlen Brise am Wasser, schon des öfteren unterschätzt.

Bislang macht der Sommer in diesem Jahr temperaturtechnisch so einiges gut, was der lange, verregnete Winter “verbockt” hat. Dennoch habe ich in Brittas Bay nie mehr als eine Handvoll Leute angetroffen, die man an dem langen, breiten Strand kaum wahrnimmt. Die hohen Dünen bieten sowohl Wind- als auch Sichtschutz und mein junggebliebener Ehemann nutzt sie gern, um sich herunterrollen zu lassen. Das blieb beim letzten Mal nicht unnachgeahmt. Brittas Bay daher meine Empfehlung für den perfekten Sonntagsausflug für Jung, Alt und alles was dazwischen liegt so wie mein Mann und ich ;-).

Ich kehre gern zu den Stränden zurück, mit denen ich positive Erlebnisse verbinde. Hin und wieder entdecke ich auch neue kleine “Paradiese”, sodass hoffentlich viele weitere schöne Erinnerungen auf meiner Lieblingsinsel hinzukommen werden.

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