Life is Life

09/08/2017

Das 1. Mal den Herzschlag seines ungeborenen Babys zu hören ist ein ganz besonderer Moment, den ich im vergangenen Jahr zu meinem großen Glück selbst erleben durfte. Wenn es dann noch ein Wunschkind ist und man es kaum erwarten kann, bis es nach neun Monaten (in meinem Fall sogar 9 1/2) endlich das Licht der Welt erblickt, ist es um so schöner.

Doch was wenn man in einer schwierigen Lebenssituation ungeplant ein Kind erwartet? Seien es Probleme finanzieller Natur, dass man nicht den richtigen/keinen Partner an der Seite hat oder es einfach nur der falsche Zeitpunkt ist. Hat man dann das Recht es abtreiben zu lassen? Und wenn ja, bis zu welchem Monat? Und, ist es allein das Recht der Frau dies zu entscheiden?

Fragen, die man sich aktuell in Irland stellt und heftig öffentlich diskutiert. Derzeit ist das Leben des ungeborenen Kindes im 8. Zusatzartikel der irischen Verfassung, dem sogenannten 8th Amendment, geschützt und demnach eine Abtreibung verboten; es sei denn das Leben der Mutter ist gefährdet.

Es haben sich zwei Lager gebildet: Pro Choice mit seinem Slogan „Repeal the 8th“, welches sich für die Abschaffung des Paragraphen und die freie Entscheidung der Frau zu einer Abtreibung ausspricht. Und Pro Life, das sich für das Recht auf Leben des ungeborenen Kindes einsetzt und den Artikel erhalten will.

Bestimmt die Nachfrage das Angebot?

Jährlich reisen tausende irischer Frauen nach Großbritannien, um dort eine Abtreibung durchführen zu lassen. Diese ist dort bis zur 24. Schwangerschaftswoche (6. Monat) ohne Angabe von spezifischen Gründen erlaubt. Eine in fünf Schwangerschaften endet in einer Abtreibung (Quelle: loveboth.ie). Im Jahr 2016 wurden 3.265 Abtreibungen von britischen Kliniken verzeichnet, bei denen ein irischer Wohnsitz des „Patienten“ angegeben wurde (Quelle: ifpa.ie). Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich wesentlich höher, da man davon ausgehen kann, dass nicht immer eine korrekte Adresse genannt wird bzw. andere Länder zur Durchführung einer Abtreibung aufgesucht werden. Man schätzt dass ca. 5000 irische Frauen jedes Jahr ins Ausland reisen, um eine Schwangerschaft abzubrechen (Quelle: ifpa.ie). Die wahren Gründe für eine Abtreibung können nur schwer erfasst werden. Meist werden sie unter der sogenannten „Abtreibung aus sozialen Gründen“ zusammengefasst, was somit nicht sehr aussagekräftig ist (Quelle: AbortionReview.org).

Die Pro-Choice Seite argumentiert, dass man diesen Frauen nicht zumuten kann, die beschwerliche Reise auf die Nachbarinsel anzutreten, um sich dort dem in Irland gesetzeswidrigen Eingriff zu unterziehen. Dass sie selbst über ihren eigenen Körper bestimmen dürfen sollten und dass es somit ihr Recht sei, eine ungewollte Schwangerschaft zu beenden. Heißt das, weil pro Tag ca. 12 irische Frauen nach einer Abtreibung verlangen, sollte man ihrem Wunsch nachkommen und sie in Irland legalisieren?

Du bist nicht allein

Wenn es dabei nur um ihren eigenen Körper ginge vielleicht, aber das ist ja ganz klar nicht der Fall. Bereits ab der 3. Schwangerschaftswoche beginnt das Herz des Babys zu schlagen und zu diesem Zeitpunkt hat man zumeist noch nicht einmal die Schwangerschaft festgestellt. Das bedeutet, wann immer man sich für eine Abtreibung entscheidet, hat man es bereits mit einem kleinen menschlichen  Wesen zu tun und das sieht spätestens ab der 12. Schwangerschaftswoche auch schon so aus. Wer gibt also den Frauen das Recht das Leben eines anderen Menschen zu beenden, nur weil sie ihn nicht haben wollen? Abgesehen davon, wer oder was bestimmt in dem Fall bis wann ein Abbruch legitim ist?

Tötet eine Mutter ihr Neugeborenes, weil sie sich in einer verzweifelten Lage befindet, sind sich alle einig, dass das Mord ist und die Gesetzeslage ist eindeutig. Täte sie dies in der 24. Schwangerschaftswoche während sich das Kind noch in ihrem Bauch befindet, obwohl es zu diesem Zeitpunkt schon geboren werden und überleben könnte, ist das ein legitimer Schwangerschaftsabbruch? Das leuchtet mir nicht ein. Wo ist der Unterschied zwischen einer verzweifelten Frau vor der Geburt und einer Frau in der gleichen misslichen Lage danach? Wäre es nicht sinnvoller sich stattdessen von Vornherein für gezielte Hilfe in Krisenschwangerschaften einzusetzen um beide diese Extremfälle zu vermeiden?

Eene meene Muh…

Bliebe noch ein früheres Abtreibungslimit zu diskutieren, so wie derzeit die  14. Schwangerschaftswoche in Deutschland. Aber auch hier ist für mich fraglich, welche Kriterien zur Ermittlung dieser Frist ausschlaggebend sind. Das Gehirn des Babys arbeitet dann bereits, sendet Impulse mit denen es die Mimik und sogar seine kleinen Händchen steuern kann. Und das Herz pumpt schon seit fast 3 Monaten fleißig Blut durch den winzigen Körper. Das Argument, dass es ja noch kein Bewusstsein habe und nichts merke, finde ich irrelevant, weil dies zum einen nicht eindeutig „gemessen“ bzw. belegt werden kann. Zum Anderen könnte man dann auch argumentieren, dass ein Neugeborenes bzw. ein Frühchen auch nicht bewusst wahrnimmt, was um es herum geschieht.

Letztendlich läuft es doch einzig und allein auf die Frage hinaus, ob es sich bei einem ungeborenen Kind, unabhängig seines Alters und Entwicklungsstandes, um ein Lebewesen handelt oder nicht. Wenn man sich diese Frage mit ja beantwortet, kann man eine Abtreibung nicht befürworten.

Unser Kind schuldet uns nichts, wir schulden ihm alles

Seit Mai diesen Jahres bin ich selbst Mutter und bereits in der Schwangerschaft galt für mich ganz selbstverständlich der Grundsatz „Das bin ich meinem Kind schuldig“. Nein, ich habe nicht mehr das Recht mal eben eine Zigarette zu rauchen oder ein Glas Wein zu trinken, wenn mir danach ist. Mich mit Zucker und Junk Food vollzustopfen (nicht dass ich das ständig täte), ist schon schlimm genug für meinen eigenen Körper, aber ein Tabu, wenn man einen „Mitbewohner“ hat, der einen anzapft. War das immer einfach, wenn man schon mit diversen anderen Unnanehmlichkeiten wie zunehmender Unbeweglichkeit und dem Verzicht auf die geliebte Bauchlage in den letzten ungestörten Nächten zu kämpfen hat? Ganz sicher nicht. Und habe ich immer alles zu 100% korrekt gemacht? Bestimmt eben so wenig. Aber ich bin es meinem Kind schuldig, mein mir Möglichstes zu versuchen, auch wenn es mir nicht immer leicht fällt.

In den drei Monaten, die unser kleiner Sonnenschein nun schon auf der Welt ist, (über-)lebe ich ebenfalls nach diesem Motto. Klar gibt es neben dem herzerweichendsten Lächeln auch die schlaflosen Nächte, von denen alle sprachen und natürlich kommen auch Momente, in denen ich trotz aller Freude an meine Grenzen stoße. Aber der kleine Wurm ist nicht (nur) da, um uns glücklich zu machen. Mit der Entscheidung ein Kind zu haben, sind wir beide eine große Verantwortung eingegangen, die wir nicht einfach ablegen können wie es uns beliebt. Wir haben uns dazu „verpflichtet“ immer zusammen für es da zu sein. Es zu beschützen und nach bestem Wissen und Gewissen zu fördern. Unsere eigenen Befindlichkeiten hinten anzustellen, solange es von uns abhängig ist.

Gleichtzeitig bekommen wir nicht automatisch das Recht das Kind als unser Eigentum zu behandeln und es etwa zur Verwirklichung eigener verpasster Träume zu benutzen oder um unsere Partnerschaft oder Lebenssituation aufzuwerten. Alle Entscheidungen, die wir für unser Kind treffen, bevor es dies selber tun kann, sollten in seinem Interesse sein. Allen voran muss deshalb die Entscheidung „Pro Life“, also für das Leben stehen.

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