Zwei Hochzeiten und zum Glück kein Todesfall

07/05/2018

Wenn wir Leuten von unserer Hochzeit erzählen, bekommen wir oft gesagt, dass das die Geschichten seien, die man später mal seinen Enkelkindern erzählt. Warum also so lange warten?

Wann und wie wir heiraten wollten, war meinem Jetzt-Mann und mir schnell klar: möglichst bald und eher unauffällig klein. Die passende Location war schnell gefunden, Details besprochen, eine Anzahlung geleistet, Einladungen verschickt. Nur der unangenehme Papierkram stand noch aus, bei dem wir allerdings auch keinerlei Schwierigkeiten erwarteten – Fehler Nummer 1. Denn wer hätte gedacht, dass es “Beamtendeutsch” und unnötige Bürokratie auch in Irland gibt. Bei der Antragstellung im Standesamt wurde uns gesagt, dass es aller Voraussicht nach Probleme mit den amerikanischen Scheidungspapieren meines Zunkünftigen geben wird. Auf unsere Nachfrage hin, was genau und was zu tun sei, konnte bzw. wollte man uns vor Ort keine Antwort geben, sondern ließ uns dennoch den Antrag ausfüllen, auf den wir dann von „offizieller Stelle“ eine Antwort bekommen sollten. Dies dauerte seine Zeit, aber schlussendlich bekamen wir Bescheid und wurden aufgefordert weitere Unterlagen nachzureichen, die das Problem beheben sollten. Als dieser Antrag auf Eheschließung nach nochmaliger Wartezeit ebenfalls abgelehnt wurde, traf uns das erstmal wie ein Schlag. Es stellte sich heraus, dass das ganze Unterfangen von Anfang an zum Scheitern verurteilt war, da die Scheidungspapiere aus den USA nur dann in Irland anerkannt werden könnten, wenn mein Verlobter dort nach wie vor seinen Wohnsitz hätte. Eine völlig sinnfreie Regelung…

Nach einem Informationsgespräch mit einer darauf spezialisierten Anwältin hieß es jedoch,  dass das ein nicht selten vorkommender, schnell zu lösender Prozess sei und wir atmeten auf – Fehler Nummer 2.

Hotels für unsere Gäste wurden reserviert, Freunde und Familie buchten Flüge aus Deutschland und Amerika, um bei dem freudigen Ereignis dabei zu sein. Nur dass uns die Planung allmählich so gar keine Freude mehr bereitete, denn zunächst galt es die längst neu verheiratete Ex-Frau meines Verlobten nach 13 Jahren Funktstille aufzuspüren, um ihr noch einmal eine Unterschrift für die Scheidungspapiere abzuringen. So hatte es die Anwältin uns erklärt und wir vertrauten ihrer Kompetenz – Fehler Nummer 3.

Zwei Ja’s und ein Nein

Knapp 3 Monate vor dem geplanten Hochzeitstermin – wir waren immer noch zuversichtlich, dass alles seinen Gang gehen würde – erfuhren wir, dass der Richter der Anerkennung einer amerikanischen Scheidung nur hätte stattgeben können, wenn dieser Verfahrensweg voher durch unsere Anwältin angekündigt worden wäre. Da dies nicht geschehen war, bliebe uns nur die Möglichkeit einer erneuten Scheidung – dieses Mal nach irischem Recht – was sich dann allerdings noch etwas länger hinziehen würde. Ein kleinlautes “ Sorry” unserer Anwältin des Vertrauens tröstete uns nur wenig über eine allem Anschein nach nicht stattfindende Eheschlieβung hinweg.

Um das finanzielle Disaster im Rahmen zu halten, stornierten wir das Hochzeitshotel und informierten unsere Gäste über die Situation, die nun auf Flugtickets zu dem wohl deprimierendsten Ereignis des Jahres saβen – einer geplatzten Hochzeit.

Tagesausflug statt Hochzeitsfeier

Immerhin hatten wir nun noch etwa 2 Monate Zeit uns damit abzufinden, dass wir am 7. Mai 2016 nicht heiraten würden, aber dennoch einen Ansturm von Freunden und Familie zu erwarten hatten, die die Gelegenheit für einen Kurzurlaub in Irland nutzen wollten. Nun war es also daran das Beste aus der Situation zu machen und uns allen eine schöne Zeit zu bescheren, anstelle Trübsal zu blasen. Schnell war ein Reisebus organisiert und ein zünftiges Pub-Essen gebucht. Zwischendurch eine Tour zum touristischen Highlight Glendalough in den Wicklow Mountains sollte auch “Irland-Neulingen” Geschmack auf einen nochmaligen Besuch machen – zum potenziellen neuen Hochzeitstermin.

Kalte Füβe

Doch so weit sollte es gar nicht kommen. Eine Woche vor unserem usprünglich geplanten Termin war nun auch offiziell die irische Scheidung durch. Allerdings viel zu spät um eine Heirat beim Standesamt anzumelden, geschweige denn eine Hochzeitsfeier auf die Beine zu stellen. Wären da nicht die ermunternden Worte unseres örtlichen Pfarrers gewesen, der bereit war für unsere Gäste, allen voran aber für uns, die kirchliche Trauung durchzuführen. Er kannte uns gut und wusste wie wichtig die religiöse Zeremonie für uns war und auch, dass Familie und Freunde extra anreisten, die mitunter nicht so schnell wieder nach Irland kommen würden. Also beschlossen wir kurzer Hand unsere bisherigen Vorstellungen der Hochzeitsfeier über Bord zu werfen und uns dennoch im Kreise unserer Lieben das Ja-Wort zu geben. Somit stand 3 Tage vor dem 7. Mai die Hochzeit wieder auf dem Plan und eine leichte Nervosität stellte sich ein…

Unbezahlbare Hochzeitsplaner

Wenn man nur 3 Tage Zeit hat, um eine komplette Hochzeit zu planen, sind die Möglichkeiten begrenzt. Man könnte meinen, dass das dem angeblich schönsten Tag im Leben Abbruch tut, aber in unserem Fall war es das Beste, was uns passieren konnte. Statt Sightseeing mit den Verwandten hieβ es nun Ärmel hochkrempeln und loslegen. Alle früher angereisten Gäste bekamen eine Aufgabe zugeteilt und alles fügte sich zusammen als hätte es nie anders sein sollen. Es tat so gut zu sehen, dass alle nach dem ganzen Auf & Ab mit soviel Herzblut dabei waren, um uns einen unvergesslichen Tag zu bereiten.

Der schönste chaotischste Tag in meinem Leben

Der Hochzeitstag begann für mich auf einem zusammengesunkenen Luftbett zu Füβen meines eigenen, in dem ich meine Freundin einquartiert hatte. Hätte ein Fotograf am Morgen Fotos von der “Braut beim Ankleiden” machen wollen, hätte er sich den Weg durch mein kleines und mit Sachen vollgepacktes Apartment bahnen müssen, in dem ich mit Hilfe meiner zwei “Brautjungfern” lachend in mein Kleid stieg. Das obligatorische schwarz-weiβ Bild meines Brautkleides auf dem Kleiderbügel habe ich dank meiner “Starfotografin” Susanne aber trotzdem bekommen – allerdings mit dem an die Wand gelehnten Luftbett im Hintergrund. Und ich hätte es nicht anders haben wollen, denn alles war so herrlich imperfekt, was meiner Perfektionistenseele überraschenderweise unheimlich guttat.

Die Trauung in der Kirche hingegen war dann absolut perfekt – eine wunderschöne Zeremonie im engsten Kreis mit herzerwärmender gesanglicher Untermalung, meinem emotionalen Papa, der mich zum Altar führte, meiner Schwester, die als Trauzeugin in der wenigen Zeit einen groβartigen Job geleistet hatte, einem wunderbar unkonventionellen Pfarrer und seinen wohlgewählten Eröffnungsworten, die meine Freundin Claudia trotz ihrer Kirchenvorbehalte spontan ins Deutsche übersetzte und somit die Sprachbarriere überbrückte.

Unsere kleine “Touristenfuhre” durch die Berge und nach Glendalough fand im Anschluss an die Trauung wie geplant statt – nur dass ich statt Wanderschuhen ein Hochzeitskleid und einen neuen Nachnamen trug. Im Bus gab’s Dosenbier, Knabbereien und Sandwiches, die meine Eltern auf dem Weg zur Kirche noch schnell aus dem Supermarkt geholt hatten. An einem der für mich schönsten Aussichtspunkte Irlands, Sally’s Gap, gab es Sekt aus Plastikbechern und die ersten Hochzeitsbilder mit im Wind wehenden Haaren wurden geschossen. Für die Rede des Brautvaters bot sich ein kleiner Erdhügel mit Blick auf den im Tal liegenden See geradezu an. In Glendalough, vor perfekter irischer Kulisse, entstanden dann unsere offiziellen Hochzeitsfotos. Zurück im Bus ging es beschwingt zum Johnnie Fox’s Pub. Als ich dort aus dem Bus stieg, erwarteten mich regelrechte Begeisterungsstürme, denn offensichtlich mischt sich eine Braut nicht allzu oft unter das „gemeine Pubvolk“ in rustikalem Ambiente.

Das Versprechen – eine unendliche Geschichte

Nicht nur mein Mann und ich hatten uns am 7. Mai ein Versprechen gegeben, sondern auch wir dem Pfarrer, dass wir die standesamtliche Trauung unverzüglich in Angriff nehmen würden. Dass es noch einmal fast ein ganzes Jahr dauern würde, ahnten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Als wir dann endlich vor die Standesbeamtin traten, zeigten uns ihre Schweissperlen auf der Stirn und ihr leicht nervöses Lächeln, dass sie sich an uns und unsere Geschichte sehr wohl erinnerte. Mein “Nun-bald-auch-offiziell-Ehemann” versetzte die ganze Angelegenheit noch immer so in Rage, dass wir froh sein können, dass sich zu den 3 Scheidungen und 2 Hochzeiten letztendlich kein Todesfall gesellte.

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