Leben wie die Carmeniter – Familienurlaub in Irland

Verwirrt von der Überschrift und drauf und dran mich auf den vermeintlichen Tippfehler aufmerksam zu machen? Dranbleiben und weiterlesen, denn ich habe mich nicht verschrieben! Ein wenig geht es in diesem Artikel auch um Spiritualität, aber einem Klosterorden sind wir in unserem Familienurlaub im Co. Sligo nicht beigetreten. Dennoch haben wir einen neuen, sehr inspirierenden Lebensstil für uns entdeckt. Aber alles der Reihe nach!

Familienurlaub Sligo_Carrowkeel

Familienurlaub im eigenen Land

Genauso wie vielen anderen blieb auch uns in diesem Jahr nichts anderes übrig, als den Familienurlaub im eigenen Land zu verbringen. Aufgrund der nach wie vor bestehenden Quarantäneregeln bei der Einreise nach Irland, wussten wir frühzeitig, dass unsere Deutschlandreise diesen Sommer ins Wasser fallen würde. Abgesehen von der Enttäuschung meine Familie nicht sehen zu können, gab es Schlimmeres als den Familienurlaub auf der Grünen Insel zu verbringen. Und so freuten wir uns auf einen Tapetenwechsel ohne großen Reiseaufwand und unseren ersten Familienurlaub zu viert.

Während hier viele vom sogenannten “Staycation-Trend” sprechen, also den Urlaub zu Hause zu verbringen, sahen wir unseren Trip nach Sligo durchaus als richtigen Urlaub an. Immerhin reisten wir einmal quer durch Irland und blieben eben nicht zu Hause, wie der Begriff eigentlich vermuten lässt. Das aber nur zur Begrifflichkeit.

Bevor es jedoch soweit war, galt es zunächst eine geeignete Unterkunft zu finden und das ziemlich auf den letzten Drücker. Da wir gemeinsam mit Freunden fahren wollten, deren 2 Kinder im gleichen Alter wie unsere beiden waren (3 Jahre + 11 Monate), kam nur ein geräumiges Ferienhaus mit 4 Schlafzimmern in Frage. Eine echte Herausforderung in Zeiten des “Staycation”-Boom.

Ich lasse mich taufen!

Schon wieder eine Überschrift zum darüber Stolpern, ich weiß.  Dabei bleibe ich voll und ganz beim Thema “Familienurlaub in Irland”, versprochen!

Denn es stand in der Tat im Zusammenhang mit unserem Urlaub, dass ich endgültig die Entscheidung traf, mich in nächster Zukunft taufen zu lassen. Schon viele Male zuvor hatte ich mich mit verschiedenen Dingen hoffnungsvoll an eine ‘höhere Macht’ gewandt. Dabei ging es nicht nur um so nichtige Sachen wie einen Familienurlaub, sondern lebensverändernde ‘Wünsche’. Dinge, die mich entweder verzweifeln ließen oder die ich mir sehnlichst erhoffte. Als im vergangenen Jahr ein Wunder geschah, wofür ich besonders inständig ‘gebetet’ hatte, geriet mein Gotteszweifel ins Wanken.

Gebete erhört!

Als es nun Mangels passender Unterkunft düster für unseren spontanen Familienurlaub aussah, sandte mein Mann ein Stoßgebet zum Himmel. Er war ausgebrannt von der Arbeit und brauchte dringend eine Auszeit vom Home Office. Auch ich hatte mich nach Wochen des Lockdowns auf einen Ortswechsel und die Zeit mit unseren Freunden gefreut. Enttäuschung machte sich breit, als sich so absolut nichts finden ließ.

Nach tagelanger, erfolgloser Suche, bei der meine Freundin und ich diverse Buchungsportale nach einem Selbstversorger-Cottage durchkämmt hatten, tauchte wie aus heiterem Himmel dieses Traumhaus auf. Zu schön um wahr zu sein, dachte ich mir. Genau das was wir gesucht hatten (eigentlich noch besser) und ausschließlich verfügbar für die 4 Nächte, in denen wir reisen konnten. Davor und danach komplett ausgebucht, weswegen ich eher eine technische Panne als eine glückliche Fügung vermutete.

Doch Johns Gebete waren erhört worden! Mit der Buchungsbestätigung, die kurze Zeit später hereinflatterte, war es besiegelt. Es ging zum Familienurlaub nach Ballymote im Co. Sligo!

Nun war es an mir meine Seite der ‘Abmachung’ einzuhalten. Das freie Traum-Ferienhaus war dabei nur das Zünglein an der Waage meiner Tauf-Entscheidung. Und das sollte nicht das einzige Wunder unseres Familienurlaubs bleiben. Zeit meinen Gotteszweifel endgültig abzulegen!?

Leben wie die Carmeniter_Carmen's & Robert's PlaceLeben wie die Carmeniter_Carmen's & Robert's PlaceLeben wie die Carmeniter_Robert's Garten EdenLeben wie die Carmeniter_Robert's Garten Eden

Ankunft im Paradies

Die Überschrift ist keine religiöse Metapher, sondern eine ziemlich treffende Beschreibung unserer Ankunft in Ballymote und somit der Beginn unseres Familienurlaubs. Nach einer entspannten, knapp 3-stündigen Fahrt durch die irischen Midlands erreichten wir unser Ferienhaus. Wir waren bereits zuvor im Co. Sligo unterwegs gewesen, aber die ländliche Gegend um Ballymote gefiel mir besonders gut. Als wir die Autobahn verließen, ging es über kurvige Landstraßen weiter, die von grünen Büschen und kleinen Steinmauern eingerahmt waren. Rechts und links wechselten sich Schafe und Kühe friedlich grasend auf den saftigen Wiesen ab. Im Kontrast zur flachen Weidelandschaft stand eine für Irland verhältnismäßig hohe Gebirgskette, auf die wir schon seit einer Weile zugefahren waren. Nach einem kurzen, aber kräftigen Regenschauer war die Luft frisch und roch ein wenig nach Landwirtschaft. Abgekühlt hatte es sich aber nicht und es versprach eine laue Sommernacht zu werden. Der perfekte Start in unseren Familienurlaub.

Träumen erlaubt

Es ist ja nicht gerade so, dass wir in einer geschäftigen Großstadt lebten. Wir waren extra auf’s Land gezogen, um von der Natur umgeben zu sein. Unser gemütliches Seebad Greystones schien sich jedoch allmählich in eine mittelgroße Stadt zu verwandeln. Überall schossen neue Wohnsiedlungen und Einkaufszentren wie Pilze aus dem Boden. Zu schnell und zu viel für meinen Geschmack.

Als wir uns 2016 auf Haussuche begaben, hatte ich bereits von einem einsamen Landhaus geträumt. Aus Vernunftgründen entschieden wir uns gegen die Einöde, was gut und richtig war. Aber man wird ja noch träumen dürfen. Und da sehe ich mich weit ab von der Zivilisation in einem Landhaus im Grünen.

Unser Airbnb in Ballymote war genau solch ein Traum von einem Landhaus.

Abendessen im Gewächshaus

Bei unserer Ankunft waren unsere Freunde bereits da und herzlich von unseren Gastgebern in Empfang genommen worden. Zum Abendessen versammelten wir uns um den langen Tisch im gemütlichen Wintergarten, der gleichzeitig als Gewächshaus fungierte. Zwischen duftenden Tomaten- und Gurkenpflanzen tauschten wir die ersten Neuigkeiten aus. Unsere Großen waren viel zu aufgeregt, als dass sie auch nur einen Bissen hinunter bekommen würden. Dabei war ihnen noch gar nicht so richtig bewusst, dass sie die kommenden 4 Nächte zusammen in diesem tollen Anwesen verbringen würden. Familienurlaub mit “Freundschaftsbonus” sozusagen.

Familienurlaub in Carmen's & Robert's PlaceFamilienurlaub in Carmen's & Robert's PlaceFamilienurlaub in Carmen's & Robert's Place

Willkommen im mediterranen Irland

Die Tür, die von der gemütlichen Küche in das Gewächshaus – die sogenannte Orangerie – führte, war mit Weinreben gesäumt. Statt unserer flugs gekochten Spagetti naschten die Kinder lieber die süßen Trauben vom Türrahmen. Auch den Weg zur Terrasse hinaus konnte man sich sozusagen “freinaschen”. Dort standen einladend zwei gemütliche Sonnenliegen vor der Natursteinwand. Der Freisitz hatte beinahe mediterranen Charakter, wozu die 2 Olivenbäume und der üppige Feigenbusch beitrugen. Aber wer brauchte schon das Mittelmeer, wenn beim Familienurlaub in der ländlichen Idylle Irlands alle Annehmlichkeiten bis hin zum sommerlichen Wetter zusammenkamen?

Der Garten (Eden)

Der Herr des Hauses, Robert, hatte mit dem Garten, der unser Gästehaus und sein eigenes miteinander verband, ein wahres Kleinod geschaffen. Alles war außerordentlich gut gepflegt ohne dabei abgezirkelt zu wirken. Überall grünte und blühte es. Nach dem Frühstück am nächsten Morgen ging es für unsere Großen sofort auf Erkundungstour nach draußen. Dort hatten sie jede Menge Platz zum Herumtoben und keine Möglichkeit zu entwischen. Abgesehen davon, dass die nächste befahrene Straße ohnehin fast 1km weit weg war. Somit konnten wir in Ruhe zu Ende frühstücken bzw. ungestört das Essens-Chaos ihrer jüngeren Geschwister beseitigen.

Überhaupt hatten wir an an diesem Morgen keine Eile diesen wunderbaren Garten zu verlassen. Erst gegen Mittag entschieden wir uns zum Strand aufzubrechen, um das gute Wetter zu nutzen. Das musste man in Irland, da man nie wissen konnte, wie lange es anhalten würde. Viel Zeit uns vor unserem Familienurlaub über Aktivitäten in der Gegend zu informieren, hatten wir nicht gehabt. Die Wahl fiel auf Aughris Head am Wild Atlantic Way, was die erste Empfehlung auf der von unseren Gastgebern bereitgestellten Liste war.

Traumstrand Aughris Head

Wir wurden nicht enttäuscht. Trotz unseres späten Starts waren wir einige der ersten, die an dem herrlich breiten Sandstrand eintrafen. Bald sollte sich dieser mit Schwimmern und Sonnenanbetern füllen. Doch wir waren allen zeitlich einen Schritt voraus. Zunächst entflohen wir der Mittagshitze in die angrenzende Beach Bar, um erst einmal die hungrigen Mäuler zu stopfen. Als das Pub dann immer mehr Ausflügler anzog, verkrümelten wir uns frisch gestärkt an den Strand. Besser hätten wir es nicht planen können, selbst wenn wir es versucht hätten.

Familienurlaub Sligo_Aughris HeadFamilienurlaub Sligo_The Beach BarFamilienurlaub Sligo_Aughris HeadFamilienurlaub Sligo_The Beach Bar

Irische Atlantik-Premiere

Zum Strand in Irland keine Badesachen mitzunehmen, ist eigentlich nichts ungewöhnliches. Zumindest nicht für mich. John hatte seinen Neoprenanzug dabei und freute sich auf die kühlen Fluten. Dass das Wasser hier so viel wärmer sein würde als bei uns an der Ostküste, hatte ja keiner ahnen können. Das konnte auch ich mir nicht entgehen lassen. Nach kurzem Zögern hüpfte auch ich trotz fehlender Badebekleidung durch die seichten Wellen. (Nein, nicht in deutscher FKK-Manier, sondern mit improvisierter Körperbedeckung!)

Zwar war ich bei einem Surf-Trip vor 6 Jahren schon einmal im irischen Atlantik gewesen, aber da hatte mich ein Neoprenanzug vorm Erfrieren bewahrt. Deshalb war das wohl meine Bade-Premiere in Irland und ein weiteres Wunder unseres Familienurlaubs.

Der perfekte Abschluss eines perfekten Tages

Als wir nach diesem herrlichen Strandtag wieder an unserem Ferienhaus ankamen, hatte Robert schon den urtümlichen Steingrill im Garten angeworfen. Während sich das Feuerchen warm knisterte, bereitete die Dame des Hauses (übrigens eine Deutsche!) leckeren Kartoffelsalat und andere Köstlichkeiten vor. Die Kinder wurden mit Feuerholz holen beschäftigt, während wir in aller Ruhe einen Schwatz mit unseren Gastgebern hielten.

Als es dunkel wurde, eröffnete sich uns ein klarer Sternenhimmel, der an diesem einsamen Fleckchen Erde durch nichts getrübt (oder vielmehr beleuchtet) wurde. Ebenso wie die absolute Stille, durch die lediglich das leise Muhen der Kühe auf dem Nachbarfeld und unser schallendes Gelächter tönte. Dank des milden Sommerwetters saßen wir bis weit in die Nacht hinein in kurzen Sachen im Freien. Eine absolute Seltenheit in Irland! Noch ein Urlaubswunder oder doch nur der Golfstrom, der uns an der irischen Westküste diese grandiose Spätsommernacht bescherte?

Top-Tipp für Kinder und Erwachsene

Für den nächsten Tag hatten wir uns ein nahegelegenes Vogelreservat mit Flugshow als Ausflugsziel ausgeguckt. Es war gar nicht so einfach die Kinder aus dem Garten loszueisen, wo sie eifrig damit beschäftigt waren ‘Salat’ aus Roberts Himbeersträuchern zu machen. Als wir endlich alle im Auto hatten, schlief unser Großer auf der kurzen Fahrt bis zum eagles flying ein und wachte auch während der äußerst unterhaltsamen Flugshow nicht auf. Aber auch danach gab es noch Gelegenheit die “Harry-Potter-Eule” und andere imposante Raubvögel aus nächster Nähe zu betrachten.

Nichtsdestotrotz waren eher die Tiere mit Fell im angrenzenden Streichelzoo das Highlight für die Kiddis, wo wir ausgiebig viel Zeit verbrachten. Und so kamen auch am zweiten Tag unseres Familienurlaubs alle auf ihre Kosten. Ein großes Dankeschön an das Team von eagles flying, das den Nachmittag auch für uns Erwachsene zu einem echten Erlebnis gemacht hatte. Absolut empfehlenswert für Groß und Klein!

Sligo aus der Vogelperspektive

Der Trip zum Vogelreservat war nur schwer zu toppen. Und dennoch fanden wir, dank Roberts Empfehlung, einen weiteren und auf ganz andere Weise beeindruckenden Ort. Dieses Mal sahen wir Sligo aus der Vogelperspektive.

Es ging zu den Hügelgräbern von Carrowkeel in den Bricklieve Mountains. Aber Achtung, es gibt ein weiteres Carrowkeel, das sich in etwa gleicher Entfernung, aber entgegengesetzter Richtung von Ballymote, unweit vom Megalithenfriedhof Carrowmore, befindet. Unsere Freunde hatten das schmerzlich erfahren müssen, als sie das falsche Carrowkeel ansteuerten und die doppelte Strecke mit nörgelnden Kindern auf dem Rücksitz zurücklegen mussten.

Doch es lohnte sich allemal! Ebenso die kurze, kinderwagenfreundliche Wanderung zum Fuße des Hügels, auf dem sich drei intakte, über 5000 Jahre alte Ganggräber befanden. Von hier aus bot sich uns – trotz eingetrübter Sichtverhältnisse –  ein atemberaubender Blick über die Seen und grünen Felder von Sligo.

Carrowkeel Hügelgräber Irland

Newgrange in Miniatur

Um zu den Grabhügeln aus Stein zu gelangen, mussten wir den Gipfel des Hügels erklimmen. Das war mit ein wenig Kraxelei verbunden, aber mit den Kindern (allerdings ohne Kinderwagen) durchaus machbar. In einer Linie erbaut, ragten die drei steinernen Kuppeln aus dem Gras heraus. Eine vorbeigehende Wanderin erklärte mir, dass Carrowkeel nicht die einzigen, auf einer Bergspitze erbauten Megalithengräber in der Gegend seien. Sie zeigte auf den uns gegenüberliegenden Berg, auf dem ich in der Ferne einen weiteren Steinhügel ausfindig machen konnte. Dabei handelte es sich um Knocknarea, das Grab der Königin Maeve, auf 320 Metern Höhe.

Was für ein Juwel wir mit Carrowkeel inmitten in der einsamen, irischen Natur entdeckt hatten. Während sich in Newgrange Schlangen von Besuchern bildeten, um einen Blick durch die berühmte Dachluke zu werfen, lernten unsere Kinder auf abenteuerliche und ganz ‘un-touristische’ Weise einen viel magischeren und ebenso spirituellen Ort kennen. Daumen hoch für die Tauglichkeit als Familienurlaubs-Ziel.

(Anm.d.R.: Wie bereits in “Verlassen in Irland” beschrieben, ist es für mich schwer nachvollziehbar, wie sich mancherorts ein Massentourismus herausbildet, während anderswo ein ebenso großes (touristisches) Potenzial einfach so sich selbst überlassen wird. Zum Glück!)

Selbstversorger-Wellness

Und wieder endete der Tag wie er schöner nicht hätte enden können. Zumindest für die Mädels unserer kleinen Reisegruppe. Denn wir hatten uns für eine Massage in unseren eigenen vier Airbnb-Wänden eingebucht. Dazu wartete unsere Gastgeberin in einem gemütlichen Zimmer in der oberen Etage auf uns. Die entspannende Ganzkörpermassage war ein wahrer Genuss. Bei der indischen Kopfmassage konnte ich sogar die Geräuschkulisse unserer lärmenden Kinder ausblenden, die John zeitgleich unter vollem Körpereinsatz ins Bett brachte.

Wo gibt es das schon? Eine Wellness-Behandlung vor Ort, in einem Selbstversorger-Familienurlaub? Ein würdiger Abschluss unseres unvergesslichen Kurztrips.

Die Nachwirkungen

Als wir am nächsten Tag zu Hause ankamen (die Kinder hatten die gesamte Fahrt über durchgeschlafen), waren wir tiefenentspannt. Einmal mehr wurde uns bewusst, wie sehr wir beide diese Auszeit gebraucht hatten. Trotz des üblichen Familienurlaubs-Chaos mit kurzen Nächten und jeder Menge Trubel hatten wir unsere Batterien aufladen können. Wir strotzten geradezu vor Energie und Inspiration.

Unsere Ankunft zu Hause in Wicklow wurde von monsunartigem Regen begleitet, der für mich spürbar das Ende unseres Familienurlaubs einläutete. Als John die Haustür öffnete, merkte er an wie klein unser Haus im Vergleich zu Carmen’s & Robert’s Country House Retreat war. Unser Ehebett wirkte gegen die Himmelbetten im Ferienhaus geradezu mickrig. Aber es war gar nicht so sehr die Größe gewesen, die mich an unserer Unterkunft in Ballymote so beeindruckt hatte. Es waren die vielen, liebevollen Details und gemütlichen Rückzugsorte, die dem modernsierten Farmhaus seinen ganz besonderen Charme verliehen. Auch wir wollten unser Haus “carmenisieren”, wie wir es scherzhaft in Anlehnung an die Dame des Hauses nannten.

‘Carmanter’ geht es nicht

Bei Carmen hatten wir uns tatsächlich noch einiges abgucken können, was Dekoration und vollendete Perfektion anging. Zwar waren wir mit Kleinkindern im Hinblick auf delikate Zierobjekte etwas eingeschränkt, aber das konnte meiner Euphorie für den neu entdeckten Wohnstil keinen Abbruch tun. Das was Carmen  und Robert geschaffen hatten, ging weit über eine zweckmäßige Ferienunterkunft hinaus. Es fehlte an nichts und dennoch war alles ganz praktisch durchdacht. Verschiedene, perfekt aufeinander abgestimmte Einrichtungsstile vermischten sich hier zu einer Oase der Erholung und zum Seele baumeln lassen. (M)Ein absoluter Traum von einem irischen Landhaus!

Leben wie die Carmeniter_Charming LandhausFamilienurlaub in Carmen's & Robert's PlaceLeben wie die Carmeniter_Charming LandhausLeben wie die Carmeniter_Charming Landhaus

Ich werde ‘Carmeniter!’

Selbst Carmens und Roberts Lebensstil war im Einklang mit dem, was ihr Zuhause vermittelte. Ein Leben, das ich vorher nur aus romantisierten Rosamunde-Pilcher-Filmen kannte. Ursprüngliches Landleben, verbunden mit angenehmem Komfort und Rückbesinnung auf das Wesentliche. Dazu gehörten der wöchentliche Ausflug zum Bauernmarkt, um lokale Bio-Produkte einzukaufen, selbstgebackenes Brot, Obst und Gemüse aus Eigenernte sowie frische Gartenblumen überall im Haus. Ihren gesunder Lebensstil, gepaart mit einer eben so gesunden Einstellung zum Leben und in dieser paradiesischen Umgebung waren erstrebenswert. Die interessanten Gespräche mit Carmen und Robert sowie unser kurzer Aufenthalt in dieser ganz eigenen kleinen Welt haben mir das erneut bewusst gemacht.

Familienurlaubs-Fazit

Unser Familienurlaub in Sligo hat mir so viel mehr als nur eine tolle Zeit mit Familie und Freunden beschert. Nämlich meine eigene Sauerteigkultur mit der ich seitdem stolz backe, so wie Carmen. Nein ganz im Ernst, die wenigen Tage gaben mir so viel Auftrieb und Inspiration wie schon lange nicht mehr.

Die geselligen Nächte mit unseren Freunden am Lagerfeuer, in denen wir so viel gelacht haben. Auch mal ‘Quality Time’ unter Erwachsenen zu haben, bei der es um andere Dinge als nur die Kinder ging. Bei sommerlichen Temperaturen bis spät im Garten zu sitzen, umgeben von all den herrlichen Gerüchen (einschließlich dem des Grills!). Die gemeinsamen Aktivitäten, an denen jeder seine Freude hatte. Eine so wunderschöne Region Irlands besser kennenzulernen und Neues über Land und Leute zu erfahren. Das Gefühl bei eigentlich Fremden so herzlich willkommen und aufgenommen worden zu sein. Wir kommen wieder, ganz bestimmt!




 

VERLASSEN IN IRLAND

Als ich vor ein paar Wochen anfing diesen Artikel zu schreiben, wusste ich nicht, dass Irlands Sehenswürdigkeiten im wahrsten Sinne des Wortes verlassen sein würden.  Bei der Wahl des Titels hatte ich keineswegs eine Pandemie im Sinn. Vielmehr sollte es um Orte gehen, die für immer verlassen sind. Verwaist und zerfallen. Geheimnisvolle Hüllen einstig glanzvoller Gebäude. Ruinen. Mauerreste.

Trotz der Ausnahmesituation, in der nun alle touristischen Attraktionen auf der Insel wie ausgestorben sind, soll es nach wie vor um meine Lieblingsruinen gehen. Es ist eine Katastrophe, dass die Tourismusindustrie zum Erliegen gekommen ist. Dabei hätte doch ein kleiner Dämpfer ausgereicht. Ich denke profitgierige Hotels und Anbieter von Dumping-(P)Reisen haben ihre Lektion gelernt.

Fotos © Sylvia & John Payne, Hartmut Wallburg

WHAT'S THE STORY?

Ich mag Altes. Mein Mann sagt, das sei der Grund, warum ich ihn geheiratet habe. Obwohl er damit nicht ganz Unrecht hat, hatte ich dabei eher alte Gebäude im Sinn. Was alt ist, hat eine Geschichte. Und die ist es, die mich interessiert. Von einem verlassenen Ort geht eine ganz eigene Energie aus. (Von meinem Mann auch, aber der bleibt hier außen vor.) Ich mag es mir vorzustellen, wie ein Ort ausgesehen haben könnte, bevor er zur Ruine wurde. Wie lange liegt er wohl schon so da? Unter welchen Umständen wurde er verlassen? Und dann sind meiner Fantasie keine Grenzen gesetzt.

GRUNDSTEIN GELEGT

Als Kinder besuchten meine Schwester und ich mit meinen Eltern zahlreiche antike Stätten, vornehmlich in der Türkei und in Griechenland. Einige davon wahre Touristenmagneten. Andere wiederum hatten kaum eine touristische Infrastruktur und waren nahezu menschenleer. Trotz ihrer historischen Bedeutung lagen sie unbeachtet und verlassen da. Auf mich hatten diese einen besonderen Reiz. Schließlich machte sie ihre geringere Popularität nicht weniger interessant. Damit legten meine Eltern und insbesondere mein Papa den Grundstein für mein Interesse an verlassenen Orten.

KINDLICHE FANTASIE

Angefeuert von meiner kindlichen Fantasie und Büchern, malte ich mir Szenarien aus wie diese Ausgrabungsstätten wohl in ihrer vollen Blüte ausgesehen haben mögen. Ich stellte mir vor, wie die Menschen vor tausenden von Jahre den gleichen Boden beschritten wie ich jetzt. Wie die Sonne auf ihrer Haut brannte und sie genauso die Zikaden zirpen hörten. Spielte es dafür eine Rolle, ob ich mir sie in ihren historisch korrekten Gewändern vorstellte? Für mich nicht. Woran ich mich erinnere, ist ein Gefühl. Keine geschichtlichen Fakten, die man jederzeit irgendwo nachschlagen kann.

WENIGER IST MEHR

Manchmal bevorzuge ich es, mir ein eigenes Bild zu machen als die Geschichte eines Ortes in einem Museum auf dem Silbertablett serviert zu bekommen. Rekonstruktionen und Ausstellungen können informativ sein, aber kurbeln nur selten meine Fantasie an. Verlassene Orte sprechen für sich, auch wenn nicht jeder Besucher die gleiche Geschichte ‘hört’. In Irland gibt es viele Sehenswürdigkeiten, die es trotz großer Besucherzahlen schaffen, ihre Atmosphäre zu bewahren. “Touristenfallen” hingegen, haben weder eine Atmosphäre noch wollen sie lediglich den Besucher informieren.

NACHHALTIG

So wie grasende Schafe in saftigem Grün, gehören auch Ruinen zu Irlands Landschaftsbild. Manch einer kann es kaum fassen, dass die hier einfach so herumstehen. Ganz ohne Eintritt oder Souvenirladen. Vermarkten kann man fast alles, aber wirklich nachhaltig ist das nicht. Manchmal reichen, wie ich finde, ein Wegweiser und ein Toilettenhäuschen aus. Alle Fotos in diesem Artikel sind an verlassenen Orten entstanden. Einige davon haben keine touristische Infrastruktur, was sie in meinen Augen sogar attraktiver macht. Meine Vorstellungskraft kann sich besser entfalten, wenn nicht jede Minute ein neuer Reisebus ‘ausgekippt’ wird.

 

FLUCH…

Vor nicht allzu langer Zeit war ich selber im Tourismus tätig und habe dazu beigetragen, tausende von Touristen pro Jahr in großen Gruppen nach Irland zu bringen. Schon bevor ich als Vollzeit-Mama zu Hause blieb, habe ich mich mit der Massenvermarktung im irischen Tourismus nicht mehr so richtig wohlgefühlt. Auf der einen Seite setzten mich die Kunden unter Druck, um Dumpingpreise herauszuschlagen. Auf der anderen Seite standen die irischen Leistungsträger, die mit dem erneuten Wirtschaftsboom plötzlich der Bustouristen überdrüssig geworden waren. Oder schlichtweg an die Grenzen ihrer Kapazitäten stießen.

…& SEGEN

Richtig angestellt ist Tourismus eine wichtige Einnahmequelle, insbesondere in weniger favorisierten Regionen des Landes. Aber ich habe das Gefühl, dass Irland das Konzept von Nachhaltigkeit und moderatem Wachstum missachtet. Stattdessen gilt der Grundsatz “Je mehr und schneller, desto besser”. Besucherzentren, die in Hoch-Zeiten wie Pilze aus dem Boden schießen, sollten nicht die ursprüngliche (meist natürliche) Attraktion überlagern. Viele kommen nach Irland, weil sie die Ursprünglichkeit schätzen. Unberührte Natur und Authentizität. Attribute, die mit dem Massentourismus verschwinden. Sind sie einmal zerstört, ist der Schaden irreversibel.

DILEMMA

Ich sollte mich freuen, dass sich der Massentourismus auf eine Handvoll von Sehenswürdigkeiten beschränkt, die in jeder Reisebroschüre beworben wird. Keine Frage, auch ich wollte genau diese zuerst sehen, als ich Irland das erste Mal besuchte. Nach ein paar Jahren, die ich nun hier lebe, fühle ich mich nahezu verpflichtet, stattdessen ein paar Insider Tipps zu teilen. Es ist ein Dilemma – einerseits möchte ich, dass meine verlassenen Lieblingsplätze ‘verlassen’ bleiben. Andererseits sind sie zu schön um nicht gesehen zu werden. Zum Glück liegt es nicht in meiner Macht weder das eine noch das andere zu bewirken.

WÄNDE SPRECHEN

Die Ruinen in meinem Artikel habe ich zufällig entdeckt. Ich bin nicht aufgrund von Empfehlungen oder einem Reiseführer auf sie gestoßen. Dementsprechend hatte ich den Überraschungs-WOW-Effekt auf meiner Seite. Völlig unvoreingenommen konnte ich mich meinen Gedanken über die mögliche Geschichte es Ortes widmen, möge sie wahr sein oder nicht. Ganz ohne Nachbauten, die der Fantasie auf die Sprünge helfen. Einfach nur Steine, wie sie einst von ihren Erbauern errichtet wurden. Authentischer geht es kaum. Doch was macht einige Ruinen Irlands populärer als andere? Eine Frage, die ich mir bislang noch nicht beantworten konnte.

FRIEDHÖFE

(Alte) Friedhöfe haben mich schon immer besonders fasziniert. Die keltischen Hochkreuze machen sie in Irland regelrecht zu einer Sehenswürdigkeit. Berühmte Beispiele sind Glasnevin, Monasterboice, Rock of Cashel und Clonmacnoise (letztere beinhalten einen ganzen Gebäudekomplex). Trotz hoher Besucherzahlen ist es ihnen gelungen, die Würde und den Ursprung der Stätte zu bewahren. Zwei weniger bekannte Friedhöfe, die mich mindestens genauso beeindruckt haben, sind der Hill of Slane, Co. Meath und  The Old Burial Ground in Delgany, Co. Wicklow.

HILL OF SLANE

Der Hill of Slane war eine echte Überraschung. Auf einem grünen Hügel tat sich vor uns auf einmal ein großes Areal historischer Ruinen nebst einem Friedhof auf. Unmittelbar daneben grasten ein paar Kühe. Diese und ein freundlicher Herr in Gummistiefeln waren die einzigen Lebewesen, denen wir dort begegneten. Offensichtlich war keiner von beiden, so wie wir, an den beeindruckenden Mauerresten und Grabstätten interessiert. Eine Sehenswürdigkeit, wie ganz selbstverständlich, in das Alltägliche integriert und somit wirklich typisch irisch.

DELGANY

Von einer geschäftigen Straße aus betraten wir durch ein Mauerloch den Old Burial Ground in Delgany. Wie einen geheimen Garten, würde ich seine Atmosphäre beschreiben. Statt gestochener Rasenkanten und geharkte Wege erwarteten uns hochgewachsenes Gras und Wildblumen. Als einzige Besucher sahen wir uns in aller Ruhe um. Die halb verwitterten, schwer leserlichen Grabsteine gingen bis 1700 zurück. Eine Bank unter einem riesigen Baum spendete Schatten und lud regelrecht zum Verweilen ein. Kann man sich einen schöneren Ort der Stille für die Verstorbenen und Besucher vorstellen?

BALTINGLASS

Klöster sind für mich der Klassiker unter den Ruinen. Wie Friedhöfe sind sie Orte der Ruhe und inneren Einkehr. Für mich haben sie sogar etwas majestätisches. Irland ist voll davon und selbst als Ruinen verlieren sie ihre Aura nicht. Mit meinen Eltern im Schlepptau fuhren wir an einem regnerischen Tag in Richtung Baltinglass Abbey. Wir hatten uns zu fünft in unseren Kleinwagen gequetscht. Die Panoramaroute durch die Berge dauerte doch länger als erwartet. Bei der Ankunft waren wir leicht genervt und vor allem hungrig. Sicherlich ein Grund dafür, dass sich mir die Schönheit des ehemaligen Zisterzienserklosters  nicht auf den ersten Blick erschloss. Bei näherem Betrachten und noch später auf den Fotos taten sich jedoch wunderschöne Details auf. Mit seinen verzierten Steinen ist die Abtei aus dem 12. Jahrhundert eines der schönsten Beispiele romanischer Architektur in Irland. Und keine Menschenseele da, um sie zu bewundern.

LUST AUF RUINE?

Wann immer mir nach dem Besuch einer Ruine zumute ist, brauche ich nur den Fuß vor die Tür zu setzen und stehe schon fast vor dem Kindlestown Castle. Nicht selten spielen wir mit unseren Kindern auf der Wiese davor Ball oder beobachten den Sonnenuntergang. Schnell vergisst man dabei, dass es sich um ein historisches Gebäude aus dem 9. Jahrhundert handelt. Als Nationales Denkmal ist es Teil des Delgany Heritage Trail. Ebenfalls bei uns in der Nähe, im schönen County Wicklow, befindet sich Belmont Demesne. Als Teil eines Waldareals mit herrlichen Wanderwegen und Ausblicken befindet sich dort die Ruine des gleichnamigen Hauses. Sie ist eher unspektakulär anzusehen. Bereits halb von der Natur zurückerobert, scheint sie und ihre Umgebung allerdings Eindruck auf diverse Filmproduzenten gemacht zu haben. Unter anderem wurde hier King Arthur gedreht, wonach nun das angeschlossene Café benannt ist.

BUCH TIPP

Zu guter letzt möchte ich passend zum Thema noch ein Buch empfehlen. Geschrieben hat es Tarquin Blake. Mein Mann schenkte es mir mit folgenden Worten in den Einband geschrieben: „To my beautiful wife. On her first birthday as my wife. One day we will build a home of our own. Your husband.“ (Anm. d. Red.: Nur 3 Wochen später haben wir unser Zuhause gefunden.) Diese rührenden Worte haben mich zum Nachdenken angeregt. Die Ruinen, die der Autor in seinem Buch Abandoned Mansions of Ireland beschreibt, nannte tatsächlich einmal jemand sein Zuhause. Seine großartigen Fotografien zeigen, wie die Natur die nun verlassenen Herrenhäuser langsam wieder für sich einnimmt. Und natürlich hat jedes Gemäuer seine eigene Geschichte. Bevor ich sie lese, lasse ich jedoch auch hier zunächst die Bilder auf mich wirken und tauche ein in meine Fantasiewelt aus eigenen Geschichten, wie ich es schon als Kind getan habe.

 

 

Kleine Bilder, von links nach rechts, horizontal: Glen of the Downs (Co. Wicklow); Baltinglass Abbey (Co. Wicklow), Belmont Demesne (Co. Wicklow); Hill of Slane (Co. Meath); Cathedral of St. Peter & St. Paul, Glendalough (Co. Wicklow),  Monasterboice (Co. Louth); Selskar Abbey (Co. Wexford); Cathedral of St. Peter & St. Paul, Glendalough (Co. Wicklow), Famine Wall, Ballina (Co. Mayo); Old Burial Ground, Delgany (Co. Wicklow); Hill of Slane (Co. Meath); Old Burial Ground, Delgany (Co. Wicklow); Baltinglass Abbey (Co. Wicklow); Kindlestown Castle (Co. Wicklow)

Bildrechte © Sylvia & John Payne, Hartmut Wallburg

 




Troubleshooting beim Familienausflug nach Belfast

Wir fahren nach Belfast hinein und kommen an der sogenannten Friedensmauer vorbei. Ein 8-Meter hohes Konstrukt aus Beton mit einem aufgesetzten Eisengitter. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich es für die Absperrung eines Betriebsgeländes halten. Vor dem geschichtlichen Hintergrund Belfasts jedoch, lässt mir ihr Anblick immer noch einen kalten Schauer über den Rücken laufen.

Obwohl 1998 mit dem Good Friday Agreement ein Waffenstillstand besiegelt wurde, werden die Durchgänge der Mauer abends nach wie vor geschlossen, um die ‘unionist’ und die ‘nationalist’ Viertel voneinander fernzuhalten. Auf der einen Seite befindet sich die Shankill Road, welche überwiegend von protestantischen Anhängern (unionists) bewohnt ist. Die Falls Road auf der anderen Seite ist katholisch geprägt (nationalists).

Belfast – Zwei Welten

Als wir gegen Mittag durch die geschäftige Innenstadt von Belfast fahren, ist von dem Konflikt, der in den 1970er und 80er Jahren seinen Höhepunkt hatte, nichts mehr zu merken. Überall hängt bunte Weihnachtsbeleuchtung. Mit „Happy Christmas Belfast“ grüßt die nordirische Hauptstadt ihre Gäste. Die Atmosphäre ist festlich. Kreuz und quer huschen die Menschen durch die Fußgängerzone, wahrscheinlich auf der Suche nach den letzten Weihnachtsgeschenken. Ich bin erstaunt wie sich manche herausgeputzt haben. Ich frage mich, ob sie auf dem Weg zu einer Weihnachtsfeier sind oder noch von der Nacht davor “übrig geblieben”. Eine junge Band beschallt die Einkaufsmeile mit weniger weihnachtlichen Rock Songs. Doch die Last-Minute-Shopper sind guter Dinge und belohnen die durchgefrorenen Straßenmusikerinnen großzügig mit Kleingeld.

So nah und doch so fern

Wir kreisen das dritte Mal um die City Hall auf der Suche nach einem Parkplatz. Für mich ist das Rathaus das beeindruckendste Gebäude der Stadt. Wahrscheinlich ist es auch das beliebteste Fotomotiv der Weihnachtssaison. Wenn es am Abend im Lichterglanz erstrahlt, wirkt die neo-barocke Fassade fast wie ein Palast. Darauf hatte ich mich besonders gefreut: den Weihnachtsmarkt auf dem Rathausvorplatz inmitten festlicher Kulisse. Im Vorbeifahren habe ich bereits einen kurzen Blick auf die farbenfrohen Buden erhascht.

In der obersten Etage eines brechend vollen Parkhauses ergattern wir endlich einen der letzten Parkplätze. Nun beginnt das übliche Prozedere. Das Aussteigen aus dem Auto mit Baby und Kleinkind nimmt etwa genauso viel Zeit in Anspruch wie die Parkplatzsuche selbst. Während „Team Boys“ dank Papa schon abfahrbereit im/am Kinderwagen ist, kämpfe ich noch mit einer übervollen Windel an der Babyfront. Ein kompletter Outfitwechsel steht an. Mausi ist nicht happy, kullert und pullert über den Beifahrersitz. Zum Glück habe ich dieses Mal daran gedacht Wechselsachen für die Kleine einzupacken und nicht wieder die Hälfte des Wickeltascheninhaltes vergessen.

Die Enttäuschung des Tages

Als „Team Girls“ auch endlich gestiefelt und gespornt ist, kommen die Jungs bereits von einer ersten Erkundungstour auf der Suche nach einer Toilette zurück. Dabei haben sie eine enttäuschende Entdeckung gemacht. Das Ziel unseres Tagesausfluges, der Belfaster Weihnachtsmarkt, endete bereits am Tag zuvor. Es ist der 23. Dezember und die Buden werden gerade abgebaut. Gemeinsam mit anderen verwunderten Besuchern stehen wir wenig später vor verschlossenen Toren. Bei unserer Planung hatten wir nicht im Entferntesten daran gedacht, dass der Weihnachtsmarkt bereits einen Tag vor Heiligabend schließen würde.

Plan B: Kinderfreundliches Sightseeing

Das Wetter ist schön und so bummeln wir erst einmal zur Waterfront. Wasser kommt bei unseren Kindern immer gut an. Unterwegs kommen wir an der Albert Clock und dem Big Fish vorbei. Meine Reiseleiter-Qualitäten lassen zu wünschen übrig, aber immerhin weiß ich von meiner Arbeit bei diversen irischen Reiseveranstaltern, was es in Belfast zu sehen gibt. Ich denke, dass diese beiden Monumente etwas für unseren 2,5-jährigen Entdecker sind. Doch weder dem schiefen Uhrturm noch dem überdimensionalen Steinfisch schenkt er viel Aufmerksamkeit. Wenn es nach ihm ginge, würde er den ganzen Tag Steine ins Hafenbecken werfen. Als plötzlich ein Typ in einem Weihnachtsmannkostüm kiffend auf einem Skateboard vorbeibraust und ho ho ho ruft, staunt er dann aber doch nicht schlecht.

Wir beschließen den St. George’s Market anzusteuern. Immerhin gibt es dort etwas zu essen. Nach Wasser der zweite Erfolgsgarant bei unserer kleinen Raupe Nimmersatt. Jedoch scheinen wir heute kein großes Glück mit Märkten in Belfast zu haben. Denn auch der Viktorianische Indoor Markt hat nicht geöffnet.

Ausweichlösung Essen gehen

Zurück in der Fußgängerzone halten wir nach einem familienfreundlichen Restaurant Ausschau. In unserem Fall heißt das Hauptsache viel Platz für Kinderwagen & Co. Unsere Wahl fällt auf das Bullitt Hotel nahe der Victoria Street. Obwohl wir eine gefühlte Ewigkeit auf das Essen warten müssen (doch nicht so familienfreundlich…), macht unser Großer super mit. Ganz zivilisiert beschäftigt er sich mit den mitgebrachten Spielsachen. Ich bin jedes Mal stolz, wenn wir ihn nicht, wie andere Gleichaltrige, mit Videos auf dem Telefon ruhigstellen müssen.

Ein Problem nach dem anderen

Als ich kurz vorm Gehen unsere Mausi auf meinem Schoß anziehe, wird es plötzlich warm auf meinem Knie. Sofort dämmert es bei mir. Wie eine Lawine rattern mir diverse Gedanken durch den Kopf. Die Windel ist undicht. Sie muss so schnell wie möglich raus aus den nassen Klamotten. Sie trägt bereits ihr Wechseloutfit. Wir können sie bei der Kälte nicht nur in eine Decke einwickeln. Die eventuell inzwischen getrocknete, erste Garnitur liegt auf dem Armaturenbrett im Auto. Während mir also tausend Probleme und keine Lösung in den Sinn kommen, springt mein Mann John bereits auf um etwas zum Umziehen für sie zu kaufen. Daran hatte ich natürlich auch schon gedacht, es aber direkt wieder verworfen. Das geht gegen meinen Grundsatz ihr nie ungewaschene Sachen anzuziehen. Angesichts mangelnder Alternativen jedoch die einzig sinnvolle Lösung.

Super Daddy im Einsatz

Etwa 20 Minuten mit einem nassen Baby auf dem Arm und dem zum Glück immer noch geduldigen großen Bruder, warten wir auf Papas Rückkehr. Gut dass er losgegangen war um die Sachen zu kaufen. Ich hätte mir nicht helfen können und trotz Zeitdruck in mindestens zwei Läden Preisvergleiche angestellt und versucht das perfekte Outfit zu finden. John hingegen treibt unter minimalem Zeitaufwand einen farblich zur Strickjacke passenden, preisreduzierten Strampler in der richtigen Größe auf.

Erleichtert ziehe ich der Kleinen bereits die Sachen aus, als ich John auf die Restauranttür zukommen sehe. Nur um dann panisch festzustellen, dass ich auch die Windeln beim letzten Trockenlegen im Auto liegengelassen hatte. Super Daddy muss also nochmal ausfliegen, um Windeln zu kaufen. Er “charmt” sich seinen Weg an die Spitze der Supermarktschlange und kehrt auch das zweite Mal innerhalb weniger Minuten zurück.

Der Weg ist das Ziel

Als wir das Restaurant verlassen, ist es bereits dunkel. Bloß gut, dass wir außer des geplatzten Weihnachtsmarktbesuches keine Agenda für unseren Trip nach Belfast hatten. Und so nehmen wir es gelassen. Ich wollte lediglich ein wenig Weihnachtsstimmung genießen und das tun wir nun bei einem Bummel durch die hell erleuchteten Straßen.

Ich erinnere mich an die letzten Male, die ich in Belfast gewesen war. Das erste Mal mit einer sehr guten Freundin. Wir waren beide Studentinnen, hatten im Hostel übernachtet und die politischen Sehenswürdigkeiten wie die Murals und Friedhöfe bei einer Black Cab Tour erkundet. Die folgenden Male war ich beruflich in Belfast unterwegs. Auf einer Info-Tour für einen Reiseveranstalter, für den ich heute noch gelegentlich arbeite, hatte ich das damals neu eröffnete Titanic Belfast besucht. Ich war bei einem Gala-Dinner im Rathaus und durfte im berühmten Europa Hotel hinter die Kulissen schauen. Ich hatte in chicen Hotels übernachtet, war abends in Belfast ausgegangen und im berühmten Crown Liqour Saloon eingekehrt. Selbst den St. George’s Market kannte ich zu Genüge von einer Messe, an der ich dort vor 3 Jahren teilgenommen hatte. Ich habe also das touristische Belfast gesehen.

Heute war nicht der Tag um Sehenswürdigkeiten “abzuarbeiten”. Heute war der Weg das Ziel. Der Plan war es, keinen Plan zu haben und einfach eine schöne Zeit mit der Familie zu verbringen. Das ist uns auf jeden Fall gelungen, auch wenn alles anders gekommen war als erwartet.

Ein fast perfektes Happy End

Auf dem Heimweg verirren wir uns als wir auf der Suche nach einer Raststätte die Autobahn verlassen. Es wäre kein Familienausflug der Paynes ohne sich mindestens einmal – meistens auf der Suche nach etwas zu Essen – zu verfahren. Die Kleine stillend und mit einem nun zurecht ungehaltenen 2-Jährigen auf dem Rücksitz, stranden wir irgendwo im Nirgendwo auf einer dunklen Landstraße. Dank Navi bleibt es bei einem kurzen Umweg. Dieser ist wenig später vergessen als wir die familienfreundliche Raststätte ansteuern, an der wir am Morgen schon eine Pause gemacht hatten. Unser Großer – bereits im Schlafanzug – stürmt begeistert auf die Spielecke zu. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten wir uns die „Zwischenstation Belfast“ ohnehin sparen können. Er quiekt vor Freude als er die Gummirutsche heruntersaust. Das Ende eines perfekten Tages.




Rundreisen auf einen Blick

Wenn es mal wieder längere Zeit ruhig war auf meinem Blog, bin ich aller Wahrscheinlichkeit meiner zweiten Lieblingsbeschäftigung neben dem Bloggen nachgegangen: Reiseprogramme für die Britischen Inseln zu entwerfen. Trotz meiner Tätigkeit als Vollzeit-Mama habe ich der Touristik nicht ganz den Rücken gekehrt. Für die in Hamburg ansässige Reiseagentur mundt Touristik/Irish & English Tours schreibe ich nach wie vor fleißig Reiserouten und arbeite an diversen Projekten mit.

Kürzlich haben wir die Broschüre für 2020 fertiggestellt, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Sie stammt größtenteils aus meiner Feder und daher kann ich euch die Touren nur wärmstens empfehlen. Achtung, freut euch nicht zu sehr über die günstigen Preise! Irish & English Tours ist eine Agentur und verkauft nicht an Reisende direkt, sondern nur an Reiseunternehmen. Gern könnt ihr mich aber kontaktieren, wenn ich euch bei der Planung behilflich sein kann.

Hier geht’s zu den Touren.




Zorro kommt aus Wexford

Ein etwas anderer Reisebericht

Wexford ist eine hübsche, für irische Verhältnisse mittelgroβe, Stadt im Südosten Irlands. Obwohl sie etwa dreimal so weit weg von uns ist wie Dublin, macht es zeitmäβig keinen Unterschied, wohin wir unseren Sonntagsausflug unternehmen. Daher entscheiden wir uns oft für den verkehrsärmeren Süden als gen Norden in die überfüllte Hauptstadt zu fahren.

Nach Wexford haben mein Mann und ich ganz “frisch veliebt” unseren ersten Ausflug im Zug unternommen. In Wexford kauften meine Schwester und ich die ersten Babysachen für unseren Kleinen. Mit Wexford assoziiere ich daher so einiges. Zorro, der Mann mit Maske, gehörte bislang nicht dazu. Das ist jetzt anders, aber dazu später mehr.

Wexford ist eben nicht Dublin

An einem Sonntag bei wunderschönem Herbstwetter fuhren wir also mal wieder ganz spontan nach Wexford. Wir wollten ein wenig durch die nette kleine Fuβgängerzone bummeln. Dort gibt es allerlei hübsche Läden, in denen man ohne groβes Gedränge einkaufen kann. Zwischendurch in aller Ruhe ein Käffchen trinken, darauf freuten wir uns.

Eben noch das überfüllte Dublin verteufelt, stellten wir bei unserer Ankunft in Wexford fest, dass die Läden an einem Sonntag hier nicht geöffnet hatten. Für Irland ist das eher ungewöhnlich und uns war nicht einmal in den Sinn gekommen, dass das der Fall sein könnte. Die Einkaufsmeile war wie leergefegt und wir konnten lediglich unsere “Kaffeepause” an der Uferpromenade in die Tat umsetzen.

Unser Aufenthalt in Wexford fiel demnach etwas kürzer aus als gedacht. Wir beschlossen stattdessen an der Küstenstraβe entlang zu fahren und uns ein Restaurant mit Aussicht zu suchen. Ich sah uns gedanklich schon auf einer Terrasse unter bunten Sonnenschirmen und mit Blick auf das glitzernde Meer sitzen. Unser ausgeschlafenes Baby ganz brav im Hochstühlchen und “Mama” entspannt mit einem Glas Wein daneben.

Unterwegs durch’s County Wexford

Die Fahrt an der Küste entlang war vielversprechend. Nach wie vor bei strahlendem Sonnenschein hatten wir einen herrlichen Blick auf das Meer zur Rechten und saftig grüne Landschaft zur Linken. Soverän manövrierte uns mein Mann über die immer schmaler werdenden “country roads” während unser Kleiner auf dem Rücksitz und ich vorn vor uns hindösten. Immer mal wieder  tauchten Häuser mit riesigen Grundstücken in der sonst vergleichsweise dünn besiedelten Gegend auf. Lange, blumengesäumte Auffahrten lieβen nur erahnen, welch groβzügiger Landsitz sich wahrscheinlich dahinter verbarg. Ganz anders als bei den effizient gebauten Reihenhaussiedlungen im Ballungsraum Dublin, spielte Platz hier keine Rolle.

Der Beginn einer langen Reise

Mein Tagtraum wurde von meinem Mann unterbrochen. Allmählich sollten wir nach etwas “Pubähnlichem” Ausschau halten, meinte er. Wir waren zuversichtlich, dass sich bald etwas nach unserem Geschmack auftun würde. Immerhin waren wir in einer beliebten Urlaubsgegend und die Saison war noch nicht vorbei. Wir waren gerade durch Curracloe gefahren, wo sich einer der schönsten Strände der Region befindet. Als wir dort und auch im nächsten Ort Blackwater, den mein Mann als beliebtes Tagesziel aus früheren Urlauben in Erinnerung hatte, nichts fanden, schalteten wir das Navi ein. Die gute alte Straβenkarte musste für einen Moment weichen, denn sie half uns nicht dabei dem Knurren unserer Mägen ein Ende zu setzen.

Doch auch der Google-Truck schien länger schon nicht in der Gegend unterwegs gewesen zu sein. Nach zwei möglichen Stopps, die trotz gegenteiliger Aussage geschlossen waren, schraubten wir unsere Ansprüche bezüglich der Nahrungsaufnahme etwas nach unten.

Immer noch auf Nahrungssuche

Nächstes potenzielles Ziel sollte ein gediegenes Restaurant sein, was laut eigener Webseite geöffnet war und eine vielversprechende Menüauswahl anpries. Nach einem Zick-Zack durch Maisfelder und abgelegene Dörfer, fanden wir uns vor einer herrschaftlichen Auffahrt wieder. “Sie haben Ihr Ziel erreicht” lieβ das GPS verlauten. Es hatte uns zu Wells House geführt. Ein viktorianisches Herrenhaus im Tudorstil, das wie ein sich lohnendes Ausflugsziel aussah. Nicht aber, wenn alle Gedanken um’s Essen kreisen und man 1 Stunde vor Schlieβung Eintritt bezahlen soll, um zum Restaurant zu gelangen. Die Suche ging also weiter.

“Grand Finalé”

Wir nahmen es mit Humor – bis unser Kleinster auf der Rückbank aufwachte. Das lieβ uns nur noch mit einem geringen Zeitfenster, bis die Essenssituation zum Problem werden würde. Uns blieb nichts anderes übrig, als uns nochmals auf das GPS zu verlassen. Mittlerweile waren wir an der Küste schon so weit nördlich angelangt, dass es wahrscheinlich schneller gewesen wäre, bis nach Hause durchfahren und über den heimischen Kühlschrank herzufallen. Aber wir gaben nicht auf und vertrauten erneut auf die Richtungsansweisungen der Dame aus dem Navigationsgerät.

Bis wir plötzlich im wahrsten Sinne des Wortes im Wald standen. “Das Ziel liegt rechts vor Ihnen”, hieβ es dieses Mal. Was wir an der vermeintlichen Stelle sahen, war lediglich das Hinweisschild für Courtown Woodland. Perfekt für einen Sonntagsspaziergang – wenn man ein Picknick im Gepäck hat. Denn abgesehen von ein paar Waldbeeren gab es hier nichts Essbares.

Eine ortskundige Spaziergängerin wies uns den Weg zum angesteuerten Lokal. Und tatsächlich, ein paar hundert Meter die Straβe hinunter hatten wir es dann endlich erreicht. Es hatte geöffnet, wir bekamen sofort einen Tisch, das Essen und der Service waren gut. Unsere Odysee durch Wexford County hatte also doch noch ein glückliches Ende gefunden.

Zorro, der Mann mit den roten Haaren

Das Home Restaurant in Courtown Harbour wurde an dem Tag zu unserem Retter in der Not. Im frühen 17. Jahrhundert wäre es vielleicht Zorro gewesen!? Doch was hat der Mann mit der Maske mit Irland zu tun? War er nicht der “Robin Hood” von Mexiko, der dort die Armen mit Essen versorgte? Auch in meiner Vorstellung hatte Zorro immer einen spanischen Akzent und lateinamerikanisches Temperament gehabt.

Weit gefehlt! Im Jahre 1611 als William Lamport in Wexford geboren, ging Guillén Lombardo später als Zorro in die Geschichte ein. Über Umwege kam der gebildete William erst nach Nordspanien und wurde dann nach Mexiko gesandt. Mit 21 soll er bereits 14 Sprachen gesprochen haben. Bis zu seiner Hinrichtung 1659 lebte er als Gegner der Inquisition ein abenteuerliches Leben. Die eine oder andere Frauengeschichte mag ihm das erleichtert haben. Im späten 19. Jahrhundert entstand die Romanfigur einer leicht abgewandelten Heldengeschichte von Vicente Riva Palacio, die ohne Zweifel auf Guillén Lombardo basiert. (Quelle: Irish Times).

Mehr erfahren?

Aufmerksam auf diese Geschichte wurden wir bei einer Führung durch Selskar Abbey in Wexford Town. Um die Abtei selbst rankt sich eine romantische Legende, die man ebenfalls bei der täglichen Tour um 15 Uhr erfährt (ausgenommen sonntags, Änderungen vorbehalten). Auch die Historie der Region kommt nicht zu kurz. Sehr zu empfehlen!

Meine Tipps für Wexford

Wer länger im County Wexford unterwegs ist, sollte unbedingt dem Hook Lighthouse einen Besuch abstatten. Es ist einer der ältesten, noch funktionierenden Leuchttürme der Welt. Die örtliche Führung ist sehr kurzweilig und schon allein der Blick auf den tosenden Atlantik ist es wert.

Im Wexford Heritage Park kann man gleich durch 9000 (!) Jahre irische Geschichte spazieren. Anschaulich zusammengestellt in einem detailgetreuen Freilichtmuseum ist es die ideale Schönwetter-Variante.

Als kleiner “Zwischenstopp” bietet sich die Robbenauffangstation in Courtown an. Hier kann man sich über die Arbeit der Robbenretter informieren und kommt zudem ganz nah an die kleinen “Patienten” mit den groβen Kullernaugen heran.

Weitere Tipps für Wexford und Irlands historischen Osten gibt es auf der offiziellen Webseite der irischen Tourismuszentrale. Oder schreibt mir einfach eine Nachricht!




Das irische Wetter

Meine Palme die keine ist

Eigentlich erstaunlich, dass ich dem irischen Wetter bislang noch keinen Artikel gewidmet habe. Wo es doch so viele Klischees zu bereinigen und Phänomene zu erklären gibt…Anstoβ hierfür gab mir letztendlich die Palme in unserem Garten bzw. der Besuch meiner Freundin aus Schweden, die ihre Verwunderung zum Ausdruck brachte, dass es im doch recht “kühlen” Irland Palmen gibt. Und auch ich war nach unserem Hauskauf damals erfreut, stolzer Besitzer einer eigenen zu sein, die trotz unermüdlichem “Laubabwurfs” und zum Ärgernis meines Mannes unter meinem persönlichen Schutz steht. Tatsächlich sieht es an der Küste südlich von Dublin bei schönem Wetter aus wie an der französischen Riviera – dank der Cordyline australis, die in Irland und auch Groβbritannien weit verbreitet ist. Dieser aus Neuseeland stammende Baum, der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Europa kam, sieht einer Palme zum Verwechseln ähnlich und wird im Volksmund auch oft als solche bezeichnet. Genau genommen ist der sogenannte Kohlbaum nicht einmal im Entferntesten mit der Palme verwandt. Mit anderen Worten, es gibt leider keine natürlich wachsenden Palmen in Irland, aber es sieht zumindest so aus. Wenn ich meine “Palme” im Vorgarten behalten will, lasse ich das meinen Mann besser nicht wissen…

Exotische (Pflanzen-) Paradiese in Irland

Bleiben wir zunächst bei subtropischen Pflanzen, die es tatsächlich in Irland gibt. Und nicht nur die – selbst Gewächse aus der Arktis und Nordamerika gedeihen auf dem Grünen Fleckchen Erde inmitten des Atlantiks (Quelle: www.ireland.com). Genau dieser ist auch das Geheimnis oder besser gesagt der warme Golfstrom, dem Irland – insbesondere an der südlichen Westküste, das milde Klima zu verdanken hat. Selten sinken die Temperaturen im Winter unter null Grad und die sommerliche Durchschnittstemperatur liegt bei etwa 20 Grad (Quelle: www.irland.com). Wer geballt “Exotisches” in Irland sehen möchte, dem sei Garnish Island empfohlen. Das Inselchen vor der Halbinsel Beara ist von Glengariff aus per Boot zu erreichen und schon die Überfahrt ist ein Erlebnis. Der Robbenfelsen beherbergt eine beachtliche Kolonie photogener Seehunde und die Insel selbst wartet mit allerlei subtropischen Pflanzen auf, die den Eindruck erweckt, man sei irgendwo am Mittelmeer (Quelle: www.garnishisland.com).

Auch in der Landschaft des Burren im County Clare, dessen Name von dem irischen Wort Boíreann abstammt, das soviel wie “felsiger Ort” bedeutet, findet man trotz des kargen Erscheinungsbildes jede Menge mediterrane Gewächse, die dort unter ca. 900 verschiedenen Pflanzenarten und mit subpolaren Exemplaren im Einklang wachsen. Letztere haben wir ausnahmsweise mal nicht dem Golftstrom, sondern eher den Lichtverhältnissen im Burren zu verdanken. Vereinfacht ausgedrückt reflektiert das Kalkgestein das Licht und lässt die “Arktisblüher”, Überbleibsel der letzten Eiszeit, sich wie zu Hause fühlen. Es hat also auch indirekt irgendwie etwas mit dem Wetter zu tun.
Was meine Eltern in Deutschland mühevoll im Topf heranzüchten, gedeiht hier mal eben so auf, wie es scheint, unwirtlichem Geröll. So findet man zum Beispiel im Burren Nationalpark insgesamt 23 von insgesamt 27 in Irland vorkommenden Orchideenarten.

Mein persönlicher Favorit sind die übermannshohen Rhododendronbüsche, die zumeist in einem auffälligen Pink erstrahlen und wie “Gestrüpp” am Wegesrand wachsen. Deshalb muss auch jeder, der uns zur Rhododendronblüte (ca. Mai – Juli) besuchen kommt, mit mir in den Botanischen Garten nach Kilmacurragh, wo es eine Rhododenronallee gibt. Der Ableger des National Botanic Gardens in Dublin liegt beinahe ein wenig versteckt in den Wicklow Mountains und bei uns quasi um die Ecke. An sonnigen Wochenende kann es dort schon mal richtig voll werden, weil viele die ausgedehnten Wiesen mit Blick auf die Berglandschaft für ein Picknick nutzen. Unter der Woche oder in der Nebensaison ist man dort mitunter der einzige Besucher und man bekommt auf jeden Fall einen Platz in dem gemütlichen Café. Einer meiner absoluten Lieblingsorte :-)!

Aus dem “Sprachkästchen”

Aber nun zurück zum Wetter. Eigentlich wollte ich diesen Abschnitt wie folgt beginnen: “So wie die Eskimos ca. 100 verschiedene Worte für Schnee haben, gibt es in Irland ein ähnliches Repertoire um die unterschiedliche Intensität des Regens auszudrücken”. Das musste ich aber verwerfen, denn meine Recherche hat ergeben, dass es ein Irrglaube ist, dass die Inuit so viele Ausdrücke für Schnee haben. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass eigentlich die Schotten Rekordhalter der meisten Schneebezeichnungen sind. Insgesamt 421 sollen es sein und das, obwohl es in Schottland eher selten schneit (Quelle: www.focus.de). Das als kurzer Exkurs und Begründung warum dieser Abschnitt stattdessen nun wie folgt beginnt:

So wie die Schotten 421 verschiedene Wörter für Schnee haben, existiert in Irland ein Wortreichtum für den “flüssigen Sonnenschein”(liquid sunshine), womit wir schon bei Nummer 1 wären. Im Gegensatz zu Schnee in Schottland, ist man auf der Grünen Insel bekanntlich reichlich mit Niederschlag gesegnet. Doch ob man sich dafür in Regenkluft hüllt, hängt davon ab, ob es “runtereimert” (bucketing down) oder nur “spuckt” (spittin’). Drizzle (Niesel) ist nervig für die Brillengläser, aber noch nicht genug, um einen Schirm oder einen Anorak hervorzuholen. “Feuchter Regen” (wet rain) klingt doppelt-gemoppelt, aber die Iren wissen dann, dass man besser nicht das Haus verlässt bzw. sich wasserfest einpackt. Aber es gibt auch dazu noch eine Steigerung und neben “bucketing” ist das mein Favorit, da das Wort schon so klingt, als ob der Regen gegen die Fensterscheibe peitscht: “lashing”. Auf diverse Zwischenstufen und genaue Beschreibung der Tropfenform verzichte ich an dieser Stelle.

Was der Regen mit einem macht

In der Regel regnet es in Irland mindestens 1x am Tag, irgendwann und irgendwo. Manchmal scheint bei uns im Vorgarten die Sonne und im Garten hinter dem Haus regnet es. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran, dass man selbst bei strahlend blauem Himmel immer einen Regenschirm und eine Jacke einpackt. Wie oft habe ich mich anfangs darauf verlassen, dass bei keinem einzigen Wölkchen am Himmel der Regen an diesem Tag wohl ausbleiben wird und wurde eines besseren belehrt. Und wenn man das weiβ, lebt man gut damit. Denn so schnell wie der Regen kommt, geht er oft auch wieder, es sei denn “it’s down for the day” – es regnet sich ein.

Regnet es in Irland mal länger nicht bzw. herrschen eines Nachmittags auβergewöhnlich hohe Temperaturen in einem ansonsten verregneten Sommer, gibt einem der Arbeitgeber auch schon mal “Hitzefrei”. So erging es mir zumindest vor 2 Jahren als wir in unserem unklimatisierten Büro im Dachgeschoss in der Dubliner Innenstadt fast zerflossen wären. Pünktlich zum Wochenende gab es in diesem verkorksten Sommer wieder Regen und kühle Temperaturen. Unsere Chefin lieβ uns daher an einem besonders heiβen Tag früher gehen mit den Worten “Sonne in Irland muss man nutzen”. Und irgendwie ist das ein Motto, das man hier tatsächlich lebt und was vielleicht auch erklärt, warum manche sonnenhungrige Iren trotz krebsroter Haut dennoch nicht gewillt sind ihren Sonnenplatz aufzugeben.

Auch ich plane meinen Tag um, wenn trotz gegenteiliger Wettervorhersage (was meiner Meinung nach in 90% der Fälle so ist) auf einmal die Sonne scheint. Mein Mann amüsiert sich jedes Mal, wenn ich dann noch schnell eine Extra-Ladung Wäsche wasche, denn immerhin ist “Grand drying weather” (gutes Trockenwetter) und das ist wohl ein Standardsatz irischer Hausfrauen. Anpassung ist alles!

Am Ende will ich noch kurz eine wilde Theorie aufstellen. Die Iren sind ja allgemein als ausgeglichenes, lebensfrohes Völkchen bekannt, mit einer “Mañana-Mentalität” ähnlich der spanischen. Könnte das daran liegen, dass man einfach flexibel bleiben muss, um den Sonnenschein auszunutzen oder, was noch wahrscheinlicher ist, Dinge wegen des Regens aufzuschieben? Ein kurzer Regenschauer lässt sich im Pub gut aussitzen. Wenn es dann doch länger dauert, muss man sich beschäftigen und bei Laune halten. Nur trinken wird schnell langweilig und so kommt eine Gitarre oder Blechflöte ins Spiel (die passt sogar in die Hemdtasche und geht bei Regen nicht kaputt), um für Unterhaltung zu sorgen. Auch Geschichten erzählen oder ein wenig Klatsch & Tratsch austauschen kann ein beliebter Zeitvertreib sein, wenn man sich vor einem Regenguss unterstellen muss. Ob der Regen die Iren zu dem gemacht hat was sie sind oder ob sie sich einfach von nichts aus der Ruhe bringen lassen, ich weiβ es nicht.  Ihr “Geheimrezept” könnte jedoch so manchem gestressten Urlauber helfen. Also ab auf die Insel und die Regenjacke nicht vergessen!

Beste Reisezeit für Irland

Abschlieβend noch ein paar Tipps zu welcher Jahreszeit man Irland meines Erachtens(!) am besten besuchen sollte und zu welcher lieber nicht. Die Saison beginnt in Irland um die Osterfeiertage herum, wo auch die meisten Sehenswürdigkeiten wieder ihre Tore öffnen. Und tatsächlich finde ich den April herrlich, um nach Irland zu kommen. Die Natur erwacht zum Leben, der strahlend gelbe Ginster ist zumeist schon in voller Blüte und in den letzten Jahren kletterten die Temperaturen da bereits in angenehme Höhen. Ebenso ist der Oktober der perfekte Ausklang der Saison – mit weniger Touristen, dafür einer traumhaften Farbenvielfalt in der Natur. Abraten kann ich auf jeden Fall vom August! Erfahrungsgemäβ schleppt sich der Sommer gerade noch vom Juli in die erste Augustwoche und von da an scheint er erst einmal eine Pause einzulegen – zumindest kam es mir in den letzten 3 Jahren so vor. Zudem ist es der Monat, in dem die meisten Einheimischen ihren Urlaub – nicht selten in Irland – verbringen und somit dürften auch die Hotelkapazitäten vielerorts am Limit sein. Wer sich jetzt denkt, je ruhiger desto besser – erkunde ich doch Irland im Januar/Februar – auch der sei gewarnt. Vielleicht ist es zum Teil das Stimmungstief nach der magischen Weihnachtssaison, aber die ersten Monate des Jahres zählen für mich zu den trögsten überhaupt. Aber so wie die Intensität des Regens und das was man aus schlechtem Wetter macht, ist auch das Ansichtssache und wie sagen sowohl irische als auch deutsche Mütter so schön: “Du bist ja nicht aus Zucker!”




Das Meer – mein ständiger Begleiter

Als geborener “Binnenländer” bleibt das Meer für einen irgendwie immer etwas besonderes, selbst wenn man es irgendwann direkt vor der Nase hat.

Ich erinnere mich wie mir als Kind meine Groβeltern immer von ihren Ostseeurlauben vorschwärmten. Sie schien für mich unerreichbar bzw. fünf lange Autostunden im (unklimatisierten) Trabant von Zuhause entfernt. Es sollte noch einige Jahren dauern bis ich die Ostsee selbst zu Gesicht bekam…

Letzendlich machte ich zuerst mit dem Mittelmeer Bekanntschaft, wo ich mehrere tolle Sommerurlaube mit meiner Familie verbrachte. Allein die Erinnerung an die warme Luft, leicht angereichert mit dem Duft von Sonnencreme und das gleichmäβige Rauschen der Wellen lösen noch heute ein wohliges Gefühl in mir aus. Das war der Beginn einer lebenslangen Faszination.

Durch glückliche Umstände verschlug es mich Jahre später zum Studieren an die Ostseeküste nach Stralsund. “Studieren wo andere Urlaub machen” heiβt der stolze Slogan der Hochschule. Wie oft haben meine Mitstudenten und ich ihn verflucht, wenn wir statt am Strand auf dem Campus zum Lernen saßen. Doch manchmal, wenn ich an der Sundpromenade mit Blick auf das spiegelglatte Wasser entlang radelte, lächelte ich zufrieden vor mich hin und dachte: “Kaum zu glauben, ich wohne am Meer!”

Danach zog ich in das auch irgendwie maritime Hamburg. Perfekt zwischen Nord- und Ostsee gelegen, war da immer noch der eine oder andere Wochenendausflug an die Küste drin.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Herbstausflug mit einer sehr guten Freundin nach St. Peter Ording, dessen Ruf als Traumstrand ihm vorauseilte und wovon wir uns unbedingt selber überzeugen wollten. Schön warm eingemummelt trotzten wir der steifen Brise und belohnten uns im Anschluss an den Spaziergang mit einem heiβen Kakao in einem reetgedeckten Café hinterm Deich. Auch das ist “Strandurlaub”.

 

Nach ein paar Jahren Hamburg ging es dann für mich nach Dublin. Zwar nicht des Meeres wegen, aber auf einer Insel zu leben, wo es so viele malerische Sandstrände, spektakuläre Steilküsten und einsame Buchten gibt, hat schon etwas für sich. Inzwischen sind wir aus der Stadt noch weiter in Richtung Meer gezogen und nun ist es mein Mann, der immer sagt, “Wir leben da, wo andere Urlaub machen” und ich denke mir, recht hat er!

Lieblingsstrände

Schon bei meinen Kurzbesuchen in Dublin, bevor ich auswanderte, musste neben Groβstadtleben und Pub mindestens ein Strandspaziergang drin sein. Und das ist auch gar nicht so schwierig zu vereinbaren. Innerhalb von wenigen Minuten ist man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an einen der breiten Sandstrände vor den Toren der Stadt gefahren. Ich möchte euch hier  einige meiner persönlichen Lieblingsstrände in Dublin und Umgebung vorstellen.

Der Strand der mein Leben veränderte

Ich erinnere mich gut an einen verregneten Oktobermorgen, an dem ich ein wenig deprimiert im Hotel auf einem meiner alljährlichen Kurztrips nach Dublin saß. Für das verlängerte Wochenende war eigentlich ein Treffen mit der Mädels-Clique aus meinem Irland-Praktikum geplant, was aus diversen Gründen leider nicht stattfinden konnte. Und so strandete ich allein in besagtem Hotelzimmer. Ich gab mir gedanklich einen kräftigen Tritt in den Hintern und nahm trotz Regen und Stimmungstief den nächsten Zug zu dem meist menschenleeren Kieselstrand von Killiney, den ich schon von vorherigen Besuchen kannte. An diesem wettertechnisch miesen Tag war er besonders einsam, doch mit jedem Schritt hob sich die Laune unter meinem großen Regenschirm. Ich hing meinen Gedanken nach, grübelte über Vergangenes und die Zukunft und das war der Moment als ich beschloss, nach Irland auszuwandern. Wenn es mir hier trotz fehlender Gesellschaft und tristem Wetter so gut ging, war das schon mal eine positive Voraussetzung. Und es stellte sich heraus, dass ich meine Entscheidung nicht bereuen würde.

Strand ohne Meer

Der Strand von Sandymount war lange Zeit unser persönlicher “Hausstrand”, als mein Mann und ich noch in Dublin wohnten. Seine “Wahrzeichen”, die zwei rot-weißen Industrieschornsteine, werden liebevoll die “Twin Towers” genannt und stehen meines Erachtens jetzt sogar unter Denkmalschutz. Bei Ebbe bietet der eigentlich vergleichsweise kurze Strandabschnitt jede Menge Platz für einen ausgedehnten Spaziergang – es sei denn man legt Wert darauf das Meer auch zu Gesicht bekommen. Das passiert manchmal allerdings schneller als einem lieb ist – so wie uns bei einem Neujahrsspaziergang als wir ganz plötzlich von eiskaltem Wasser umringt waren. Das bekamen unsere dann zwangsläufig nackten Füβe gnadenlos zu spüren. Immerhin entstanden so seltene Aufnahmen von mir in der Irischen See, was so schnell nicht wieder vorkommen sollte.

Strand der tausend Muscheln

Selbst vor Kälte fast taube Finger können mich nicht davon abhalten am Strand Muscheln zu sammeln. Und so hüpfte ich an einem kalten Wintertag am Strand von North Bull Island, den Blick nach unten gerichtet, von Muschel zu Muschel bis sich meine Hosentaschen schwer und durchgeweicht nach auβen wölbten. Es musste vorher einen Sturm gegeben haben, denn der Boden war nur so von Muscheln übersät. Es ist als käme da ein kindlicher Sammeltrieb in mir durch. Immer wieder entdecke ich eine, die noch schöner ist als die andere oder einfach mit muss, weil sie so auβergewöhnlich aussieht. Zu Hause landen sie zumeist in einer Kiste oder ich verschenke sie weiter, weil mein Mann kein groβer Fan von Muschel-Deko ist. Aber irgendwie geht es auch gar nicht darum sie zu besitzen. Es ist vielmehr die Freude sie zu finden, wie sie da so über den ganzen Strand verteilt liegen. Kleine “Schätze der Natur”, die mir jedes Mal ein Lächeln auf’s Gesicht zaubern so wie an jenem frostigen Wintertag.

“Na das ist doch dein Junggesellinnenabschied”

Im Norden von Dublin liegt die Halbinsel Howth, die man oft schon beim Landeanflug auf die Stadt sehen kann. Hier gibt es zwar auch einen Strand, aber das eigentliche Highlight ist für mich der Küstenwanderweg bzw. Howth Summit, von dem aus man einen Wahnsinnsblick über die gesamte Dubliner Bucht hat. Der vorgelagerte Leuchtturm ist mein persönliches Lieblingsfotomotiv (und sicherlich nicht nur meins). Auβerdem mag ich Howth wegen seiner (Fisch-) Restaurants und kleinen Cafes, wo man sich nach einem Spaziergang nett was gönnen kann. Das wollten wir auch unserer Hochzeitsgesellschaft nicht vorenthalten und beschlossen das Abendessen am Vorabend unserer “Spontan-Trauung” in Howth stattfinden zu lassen. Nach einem gelungenen Dinner erhaschten wir im Halbdunkel noch kurz einen Blick auf den Leuchtturm und die herrliche Steilküste. Die dabei entstandenen Bilder sind eine wunderbare Erinnerung an einen ausgelassenen Abend und meine Freundin kommentierte sie mit den Worten: “Jetzt hattest du wenigstens noch so etwas wie einen Junggesellinnenabschied.”

 

Karibik, Australien? Nein, Brittas Bay!

Wenn wir am Wochenende die Strandtasche für einen Ausflug nach Brittas Bay packen, sind Badesachen etwas, was garantiert nicht hineinkommt. An den Strand gehen heiβt in Irland, dass man dort ein nettes Picknick macht, Sandburgen baut und sich  – wenn man keinen Pullover braucht – ganz dick mit Sonnencreme einschmiert. Auch ich habe die irische Sonne, gepaart mit der kühlen Brise am Wasser, schon des öfteren unterschätzt.

Bislang macht der Sommer in diesem Jahr temperaturtechnisch so einiges gut, was der lange, verregnete Winter “verbockt” hat. Dennoch habe ich in Brittas Bay nie mehr als eine Handvoll Leute angetroffen, die man an dem langen, breiten Strand kaum wahrnimmt. Die hohen Dünen bieten sowohl Wind- als auch Sichtschutz und mein junggebliebener Ehemann nutzt sie gern, um sich herunterrollen zu lassen. Das blieb beim letzten Mal nicht unnachgeahmt. Brittas Bay daher meine Empfehlung für den perfekten Sonntagsausflug für Jung, Alt und alles was dazwischen liegt so wie mein Mann und ich ;-).

Ich kehre gern zu den Stränden zurück, mit denen ich positive Erlebnisse verbinde. Hin und wieder entdecke ich auch neue kleine “Paradiese”, sodass hoffentlich viele weitere schöne Erinnerungen auf meiner Lieblingsinsel hinzukommen werden.




Dublin für Wiederkehrer

Nachdem man sich beim ersten Dublinaufenthalt durch die “obligatorischen” Sehenswürdigkeiten gearbeitet hat, kann man’s beim zweiten Besuch ein wenig gelassener angehen lassen bzw. je nach Interesse noch etwas tiefer in die Materie eintauchen.

Wie in jeder Groβstadt gibt es auch in Dublin die unterschiedlichsten Stadtführungsangebote. Ich persönlich kann wärmstens die 1916 Rebellion Walking Tours mit dem Historiker und Buchautor Lorcan Collins empfehlen. Zum einen weil sich diese nicht erst (so wie viele andere) im Rahmen des 100-jährigen Jahrestages des Osteraufstandes, dem Befreiungsversuch Irlands von der britischen Krone, etabliert hat. Zum anderen ist sie keinesfalls staubtrocken, sondern höchstinteressant und unterhaltsam. Mit einem angemessen Sinn für Humor ist sie etwas mehr als nur eine Einführung in die Konflikt-Geschichte Irlands, aber ohne dass einem im Anschluss der Kopf vor lauter Jahreszahlen und Namen schwirrt.

Museen müssen nicht langweilig sein

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch einmal kurz auf die recht neue Ausstellung (eröffnet in 2016) im General Post Office auf der O’Connell Street verweisen, die ich bereits in Dublin für Einsteiger erwähnt habe. Auch hier kann man sich einen guten Überblick zu den Ereignissen des Osteraufstandes von 1916 verschaffen oder mittels Audio-Guide sogar zum “Geschichtsexperten” werden.

Einen ca. 15-minütigen Fuβweg von der O’Connell Street entfernt, am Nordufer des Liffey, befindet sich Epic Ireland. Ebenfalls 2016 eröffnet, beschäftigt sich diese Ausstellung mit irischen Auswanderern und ihren Schicksalen in den Zielländern, vornehmlich Amerika. Das klingt erst einmal nicht ganz so spannend, aber allein die Aufmachung des Museums ist einen Besuch wert. Ich war inzwischen zweimal dort und bin begeistert. Auch für Kinder lässt sich der Aufenthalt hervorragend gestalten, denn allein das Stempel sammeln für den “Reisepass”, den man am Einlass erhält, leitet originell durch die einzelnen Räume. Die 20 Galerien selbst sind sehr interaktiv gestaltet und mit den neuesten multimedialen “Spielerein” ausgetattet. Sie behandeln verschiedene Bereiche rund um das Thema Auswandern bzw. das Schicksal der Auswanderer. Während es sich anfangs zunächst viel um geschichtliche Hintergründe, Zahlen und Fakten dreht, geht es im zweiten Teil weitaus “lockerer” zu. Hier kann man sich beispielsweise in irischem Tanz üben oder sein Wissen beim Pub-Quiz testen. Eine perfekte Kombination aus Information und Unterhaltung!

Geldbeutel schonen geht auch in Dublin

Wer beim Sightseeing schon genug Geld ausgegeben hat und trotzdem irgendwo hineingehen möchte, weil es mal wieder regnet, dem sei das Nationalmuseum (National Museum) und die Nationalgalerie (National Gallery) empfohlen. Hier ist der Eintritt frei und man kann sich Stunden darin aufhalten. Es erwarten einen solide, tiefgründige Ausstellungen und es gibt soviel zu sehen, dass man selbst einen der insgesamt vier Dubliner Standorte auf mehrere Regentage aufteilen kann.

Eine meiner Lieblings-Sehenswürdigkeiten in Dublin ist der Glasnevin Cemetery. Es ist ein wenig eigenartig einen Friedhof eine “Sehenswürdigkeit” zu nennen, denn immerhin liegen hier über 1,5 Millionen Menschen begraben. Etliche davon waren berühmte Persönlichkeiten, denen nun thematische Führungen gewidmet sind, die den “Ort der Ruhe” dann schon irgendwie zu einer Touristenattraktion machen. Auch das angegliederte Museum ist sehr informativ und angemessenerweise nicht auf Profit ausgerichtet, sondern dient lediglich dem Erhalt des Friedhofs. Obwohl ich die geführten Touren – bei denen man übrigens auch einen Blick in die Gruft von Daniel O’Connell werfen kann – sehr interessant finde, gehe ich am liebsten wegen der unzähligen keltischen Hochkreuze und kunstvollen Grabststatuen nach Glasnevin. Und trotz des Hop-on Hop-off Busses, der den Friedhof als Stop anfährt, findet man auf dem riesigen Gelände auch Ecken, wo es still ist wie auf einem “richtigen” Friedhof.

Unweit von Glasnevin liegt der National Botanic Garden, dessen Eintritt ebenfalls frei ist. Als ich das erste Mal für ein 6-monatiges Praktikum in Dublin war, habe ich ganz in der Nähe gewohnt und ihn oft für einen Sonntagsspaziergang genutzt. Ich kenne ihn allerdings nur im Herbst/Winter und mochte besonders gern die frechen Eichhörnchen, die dort ganz zutrautlich den Leuten vor der Nase herumturnen. Und wenn es dort sogar im grauen November und matschigen Januar schön ist, sollte der Garten im Frührjahr bzw. Sommer auf jeden Fall einen Besuch wert sein (und im Herbst natürlich bei groβartiger Laubfärbung!).

Ausdauernden Spaziergängern, denen ein Garten zu klein und ein Friedhof zu düster ist, möchte ich noch kurz den Phoenix Park im Nordwesten vom Dubliner Stadtzentrum vorstellen. Es handelt sich dabei um eine der gröβten, geschlossenen Parkanlagen Europas. (Wer sich in Dublin City nicht verläuft, der tut es hier!). Das freilaufende Dammwild, das man dort gut aus nächster Nähe beobachten kann, ist ein hübsches “Beiwerk” zum Spaziergang im Wald inmitten des Groβstadtdschungels. Ich persönlich bevorzuge die Gegend um Farmleigh House , nicht zuletzt wegen des Cafés am See direkt daneben :-).

Für jeden Geschmack etwas

Nach den ganzen Spaziergängen im Freien, hier noch ein paar persönliche Restaurantempfehlungen, wenn man einem Wolkenbruch oder dem “Hungertod” entkommen möchte.

Etwa 15 – 20 Minuten zu Fuβ vom Stadtzentrum, im hippen Stadtviertel Rathmines, haben mein Mann und ich unser Lieblingsrestaurant. Es heiβt Tippenyaki und dürfte eine willkommene Abwechslung zu “Irish Stew & Co.” sein.  Es hat eine ausgezeichnete asiatische Küche, die sich sehen lassen kann. Und das tut sie auch, denn selbige befindet sich direkt hinter der Bar und für die Gäste gibt es neben dem normalen Schaukochen ordentlich was zu sehen. Mit spektakulären Stichflammen und allerlei “Messerakrobatik” wird einem so die Wartezeit auf das Essen verkürzt. Das ist nur noch durch die Gesangseinlagen der Kellner und Küchencrew zu toppen, die dafür mal kurzzeitig alles stehen und liegen lassen. Von persönlichen Geburtstagsständchen bis hin zu bekannten Klassikern haben sie einiges im Repertoire. Als krönendes Highlight bekommt man dann das beste Sushi – kulinarisch und optisch, das es meines Erachtens in ganz Dublin gibt.

Wer nicht allzu viel Zeit beim Essen verbringen und nur kurz in der Stadt etwas “snacken” möchte, der kann im Powerscourt Shopping Centre einkehren. Überdacht aber dennoch von Tageslicht durchflutet gibt es im Bistro im Innenhof alles was das Herz begehrt. Manchmal etwas geräuschintensiv und geschäftig, aber in jedem Fall eine gute Wahl für schmackhaftes Essen.

Ebenfalls eine nennenswerte Adresse ist das vegetarische Selbstbedienungsrestaurant Cornucopia, das auch im Shoppingviertel von Dublin gelegen ist. Bei der leckeren und vielfältigen Auswahl der tagesaktuellen Gerichte fällt mir zumeist gar nicht auf, dass da eigentlich das Fleisch “fehlt” :-).

Apropos Shoppingviertel, auf dem Titelbild ist das St. Stephen’s Green Shopping Centre zu sehen, das ich mit einkaufsfreudigen Besuchern immer gern wegen der beeindruckenden Architektur ansteuere. Es gibt genügend attraktive Geschäfte, die das Shopper-Herz höher schlagen lassen und ich kann mich am blauen Himmel erfreuen, wenn er denn so wie an jenem Tag durch das Glasdach schimmert.




In Wicklow angekommen

Unser erster Sommer im eigenen Haus neigt sich dem Ende und voller Vorfreude sehen wir gemütlichen Herbstabenden am Kamin entgegen. Dennoch trauere ich dem entschwindenden Sommer ein wenig nach, der wie ich finde  – für einen irischen – ausgzeichnet war. Zugegeben sind die Kriterien dafür hier ein wenig anders, aber immerhin kamen kurze Hosen, ein aufblasbarer Swimming Pool im Garten und Sonnencreme darin vor.

Beflügelt vom guten Wetter haben wir enthusiastisch unseren neuen Wohnort nebst Umgebung erkundet und waren wir recht viel unterwegs, im County Wicklow. Dabei haben wir ein paar echte „Perlen“ entdeckt.

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Dublin für Einsteiger

Ankunft am Flughafen

Der Dubliner Flughafen ist meines Erachtens recht übersichtlich und auch gut beschildert – in der Landessprache Irish (Gaeilge) und in Englisch. Mit der irischen Fluggesellschaft Aer Lingus kommt man im neueren Terminal 2 an und mit Ryanair im Terminal 1. Folgt man von der Ankunftshalle aus den Beschilderungen zum Bus, hat man die Wahl zwischen dem Linienbus (Nummer 16 und 41), der einem im Schneckentempo und mit unzähligen Stopps für derzeit €3,30 bis ins Stadtzentrum bringt, dem Airlink und dem Aircoach. Mit letzteren dauert die Fahrt ins Stadtzentrum nur ca. 25 Minuten und das Ticket kostet €7 pro Person und Strecke. Wer plant und online bucht bzw. gleich ein Rückfahrticket mitkauft, kann noch einmal ein paar Euro sparen.  Daher sind sie eine super Alternative zum wesentlich teueren Taxi, das etwa genauso lange benötigt.

Dublin – ein paar Fakten

Ich bin von dem ganzen Gewusel und dem Geräuschpegel in der Innenstadt von Dublin immer etwas überwältigt. Abgesehen davon, ist Dublin eine vergleichsweise kleine Metropole, in dessen Großraum ca. 1,3 Mio. Menschen leben (Quelle: Dublin Chamber). Sie liegt an der Ostküste Irlands im gleichnamigen County und verfügt über einen Hafen, in dem u.a. Fähr- und Kreuzfahrtschiffe anlegen. Der Name Dublin kommt aus dem Gälischen von dubh linn, was soviel wie “schwarzer Pfuhl” bedeutet. Sein moderner Name in Landessprache ist Baile Áth Cliath, das “Stadt an der Hürdenfurt” heißt und keineswegs so ausgesprochen wird wie man es schreibt. Dieser gälische Name Dublins steht übrigens auch an den Bussen – also nicht davon verwirren lassen.

Trinity College & Co.

Es gibt gewisse Sehenswürdigkeiten, die dürfen auf einer Dublin-Tour nicht fehlen dürfen und sind daher “Standard” bei jeder Rundreise. Und auch ich habe sie alle besucht, als ich die ersten Male nach Irland kam. So zum Beispiel das Trinity College, an dem man, selbst bei einer reinen Shopping-Tour, mindestens einmal vorbeiläuft. Es wurde 1592 von Queen Elizabeth I als Universität für die protestantische Elite gegründet; später waren dann auch katholische und andere Studenten zugelassen. Heute gibt es dort ca. 17,000 Studenten verschiedener Nationen. Zu berühmten Absolventen zählen u.a. Oscar Wilde, der Literatur-Nobelpreisträger Samuel Beckett und Bram Stoker (der mit dem Dracula :-)).
Ein Touristenmagnet ist das Trinity College vorrangig wegen des Book of Kells, einem kunstvollen Manuskript, das im frühen 9. Jahrhundert von Mönchen angefertigt wurde. Ebenfalls sehr beeindruckend ist der Long Room, die Bibliothek und wohl bekannteste Innenansicht des Trinity College, mit ihren unzähligen Werken. Mir persönlich hat die von Trinity Studenten geführte Tour über den Campus sehr gut gefallen.
Wer sich mehr für alte (christliche) Schriftstücke als für das Gebäude selbst interessiert, dem sei die Chester Beatty Library empfohlen. Dort ist der Eintritt frei und es gibt genug historische Manuskripte zum Sattsehen.

Zu den geschichtsträchtigen Gebäuden der Stadt zählt außerdem das General Post Office (GPO), das Hauptpostamt. Es war während des Osteraufstandes 1916 strategischer Mittelpunkt und Hauptquartier der Aufständischen, die für ein unabhängiges Irland von der britischen Krone kämpften. Man sollte auf jeden Fall einen Blick auf die Architektur, v.a. im Inneren des GPO werfen. Wer mehr über die Rebellion und die Freiheitskämpfer erfahren möchte, der kann sich das kürzlich eröffnete Museum anschauen, das sich ebenfalls im Gebäude befindet.

Die Straße auf der sich das GPO befindet, ist die O’Connell Street und als breiteste Straße quasi die Hauptader der Innenstadt. Als “Flaniermeile” kann man sie nicht gerade bezeichnen, denn leider wurde in den 70er Jahren die Viktorianische Architektur größtenteils durch weitaus unschönere Häuser ersetzt. Am Kopfende der Straße, kurz vor der O’Connell Bridge, trohnt eine Statue des Namensgebers Daniel O’Connell, der in Irland ein bisschen so was wie ein Nationalheld ist.

Die O’Connell Bridge, die über den Liffey Fluss führt, bringt einen in den “Südteil” der Stadt. Der Fluss ist dabei die strikte Grenze und es gibt sogar eine Rivalität zwischen Nord und Süd, wobei ein Nordstädter niemals (oder nur ungern) im südlichen Dublin wohnen würde und umgekehrt. Im Süden der Stadt, den man auch über die pittoreske und weitaus bekanntere Ha’ Penny Bridge erreicht, befindet sich der großzügige St. Stephen’s Green Park, eine grüne Oase direkt neben dem Shopping-Paradies der Grafton Street und des St. Stephen’s Green Shopping Centre. Selbst wenn der Park bei schönem Wetter gut besucht ist, findet man immer noch ein Plätzchen, wo man in der Sonne liegen oder in aller Ruhe Enten füttern kann :-).

Etwa 10 Gehminuten von dort entfernt, befindet sich Merrion Square, den ich immer als Paradebeispiel für die Georgianische Architektur mit den typisch bunten Türen empfehle. Man fühlt sich dort beinahe wie in eine andere Zeit zurückversetzt und kann ganz nebenbei noch Oscar Wilde, oder zumindest seiner Statue einen Besuch abstatten.

Christchurch Cathedral vs. St. Patrick’s Cathedral

Die Christchurch und die St. Patricks Kathedrale sind die meistbesuchtesten Kirchen der Stadt, wobei mir persönlich letztere ein wenig besser gefällt. Beide sind protestantisch, was mich anfangs im katholischen Irland ein wenig überrascht hat . Man kann in beiden Kirchen an geführten, sehr interessanten Touren teilnehmen, bei denen man etliches an Hintergrundwissen und zur (Stadt-)geschichte erfährt, was einem sonst verborgen bliebe. Als Tourist und wenn man sich ordentlich umschauen möchte, sollte man die derzeit €6,50 in Christchurch und €5,00 Eintritt in St. Patricks bezahlen, die ja auch dem Erhalt der Gebäude dienen. Zu den Gottesdiensten muss man zwar keinen Eintritt zahlen, aber kann eben auch nicht umherlaufen.

Bier und Whiskey…

…wird man früher oder später auf jeder Irlandreise begegnen. Warum also nicht gleich in Dublin damit anfangen? Und wenn man Bier oder Whiskey in einem Museum trinkt, ist es dann nicht irgendwie auch Kultur? Im Guinness Storehouse kann man in einer dynamischen Ausstellung auf 7 Stockwerken alles über das “schwarze Gold” erfahren, vom Brauvorgang bis zur Vermarktung. Obendrein lernt man den perfekten Pint zu zapfen und dieser ist schon im Eintrittspreis inbegriffen. Genießen kann man ihn dann in der Gravity Bar hoch über den Dächern Dublins, wofür es sich allein schon lohnt das Guinness Storehouse zu besuchen.

Wem es eher der irische Whiskey angetan hat – den man übrigens mit “e” schreibt, also Whiskey und nicht Whisky wie den schottischen – der hat in Dublin mehrere Möglichkeiten. Es gibt die Jameson Distillery, die etwas jüngere Teeling Distillery und das Irish Whiskey Museum. Für welche man sich entscheidet, ist im wahrsten Sinne des Wortes Geschmacksache, denn eine Kostprobe gibt’s in jedem Fall.

“Erlebnisgastronomie” vom Feinsten

Der Begriff Erlebnisgastronomie hat in Dublin eine ganz neue Bedeutung, denn irgendwie sind hier fast alle Pubs ein Erlebnis. Das liegt nicht zuletzt an der Live-Musik, die in einigen Lokalitäten bereits ab Nachmittag zu hören ist. Das natürlich vorangig im (Touristen-)Ausgehviertel Temple Bar, das ich, ausgenommen der Preise, durchaus empfehlen kann. Gerade wenn man nur kurz in Dublin ist, braucht man hier nicht lange suchen und bekommt irische Musik mit Pint an jeder Ecke geboten. Das ganze Viertel nennt sich Temple Bar, wobei es auch das Temple Bar Pub gibt, was sich selbstverständlich dort befindet und sozusagen sein “Flaggschiff” ist.
Was wir Deutschen uns unter einem irischen Pub vorstellen – also so richtig urig mit allerlei Krims-Krams wie Postkarten oder alten Wagenrädern an der Wand – ist im Übrigen gar nicht so typisch irisch. Von meinem Mann weiß ich, dass es in den 80er Jahren eher nicht so gemütlich in den Pubs zuging, sondern diese vielmehr schmucklose Trinkhallen waren.

Wer erst einmal ganz gepflegt mit einer Mahlzeit durchstarten möchte, dem kann ich das J.W. Sweetman direkt an der O’Connell Bridge empfehlen. Es ist recht groß und verwinkelt; demnach findet man fast immer einen Platz und sitzt trotzdem kuschelig unter sich mit Blick auf den Liffey. Das Warten auf’s Essen kann man sich mit dem Lesen amüsanter Wandsprüche irischer Prominentenrvertreiben. Außerdem hat das J.W. Sweetman seine eigene Mikrobrauerei und man kann eine recht amüsanten Bierverkostung im Voraus buchen. Nachdem ich jegliche Biersorten von fruchtig-süß bis herb-rauchig durchprobiert habe, kann ich guten Gewissens sagen, dass ich definitiv kein Biertrinker bin.

Zwei Restaurants möchte ich nur mal kurz erwähnen, weil ihr Ambiente so speziell ist und die Räumlichkeiten einst einem ganz anderen Zweck dienten: Zum einen The Bank on College Green und The Church. Bei den Namen ist es glaube ich überflüssig zu erläutern, was die beiden jeweils vorher waren :-). Bezüglich des Essens kann ich mir kein Urteil erlauben, aber man muss sich ja dort auch nur mal ein Getränk gönnen, um sich in Ruhe umschauen zu können.

Fortsetzung folgt…