Willkommen im Home Office

23/04/2020

…der Familie Payne

Wir haben das Glück, dass unsere Familie, auch ohne Selbstisolation, den ganzen Tag zusammen zu Hause ist. Für manchen ist vielleicht gerade das das Problem der Selbstisolation, für uns ist es Alltag. Sicherlich ein Grund dafür, dass wir mit den Einschränkungen während der Corona-Krise so gut umgehen können. Weil wir es gewohnt sind. Ich möchte nicht behaupten, dass es immer einfach ist. Aber es ist ein Lebensmodell, dass für uns am besten funktioniert. Hier ein kleiner Einblick in die Welt unserer Home-Office-Familie.

Home Office Profi

Mein Mann arbeitet für eine internationale Firma mit Teams und Kunden auf der ganzen Welt. Ein Großteil davon sitzt in Amerika, weshalb seine Arbeitszeiten nicht mit hiesigen Bürozeiten zu vereinbaren sind. Manchmal fängt er erst Mittag an zu arbeiten, aber dann bis spät in die Nacht hinein. Oder umgekehrt. Er muss zeitlich also flexibel sein, weshalb nur das Home Office in Frage kommt. Für ihn und uns ist das Vollzeit-Home-Office demnach seit 3 Jahren Alltag.

Es lebe die Routine

Genauso lange wie mein Mann John nun im Home Office arbeitet, bin ich als Vollzeit-Mama zu Hause. Keines unserer beiden Kinder wird fremd betreut. Alle zusammen sind wir ein eingespieltes Team. Die Corona-Krise bringt zwar so einiges durcheinander, aber hat keinen allzu großen Einfluss auf unsere häusliche Routine.

Ein schöner Start in den Tag

Wenn die Kinder morgens wach werden, gibt es bei uns erst einmal Familienzeit zu viert. John und ich schlürfen in aller Ruhe unseren Kaffee. Unser fast 3-Jähriger mumpelt (s. Kommentare) sein Müsli und die kleine Maus übt sich derzeit im Krabbeln auf dem Boden vor dem Bett, wo wir im Anschluss alle gemütlich kuscheln. Anstelle eines gesitteten Frühstücks am Tisch schlunzen wir also ganz lässig in den Tag hinein. Hastig fertigmachen und loshetzen fällt ja auch weg. Kein schlechter Start in den Tag oder?

Home Office ist die Zukunft

Möglich ist das unter anderem, weil sich John mit dem Home Office in Wicklow täglich etwa 3 Stunden Fahrtzeit spart. Nicht jeder kann seinen Job von zu Hause aus erledigen, aber ich denke, dass es nach der Corona-Krise dauerhaft mehr Home Officler geben wird.

Zwar kann es hart sein völlig auf das soziale Arbeitsumfeld zu verzichten, aber für uns als Familie hat es viele Vorteile. Anstelle Tag ein, Tag aus im Berufsverkehr festzustecken, verbringt John viel Zeit mit den Kindern. Dadurch haben sie von Anfang an eine starke Bindung zu ihm aufgebaut. Und obwohl ich tagsüber die Hauptbezugsperson bin, haben wir bei beiden Kindern den gleichen Stellenwert.

Familienregeln für’s Home Office

Dieser Artikel soll keine Pro- & Kontraliste zum Thema Home Office werden. Vielmehr möchte ich unsere Erfahrung mit dem Arbeiten von zu Hause teilen, die ich in ein paar einfachen Home-Office-Familienregeln zusammengefasst habe:

  1. Zutritt verboten!

Das Home Office ist generell Tabuzone für die Kinder und erst recht wenn John darin arbeitet. Sobald er im Home Office verschwindet, verwandelt sich der spaßige, sanftmütige Familienpapa in einen taffen Manager. Nicht für uns, aber für alle anderen, die dann mit ihm zu tun haben (autsch!).

Einem Kleinkind ist das natürlich nicht so einfach zu erklären. Und an manchen Tagen ist diese Regel besser umsetzbar als an anderen. John weiß, dass es mir nicht immer 100%ig gelingt das Haus mit 2 spielenden Kindern geräuschfrei zu halten. Mir ist wiederum bewusst, dass ich insbesondere bei wichtigen Telefonkonferenzen alle Register ziehen muss, um die Kiddis still zu beschäftigen. Seit wegen der Corona-Krise viele von daheim arbeiten, stößt John auf mehr Verständnis, wenn doch mal Hintergrundgeräusche zu hören sind.

  1. Achtung Kuschelzone!

Genauso wie die Bürotür als „Schleuse“ in Regel #1 funktioniert, wenn John das Home Office betritt, gilt sie natürlich auch anders herum für die Kinder, wenn er herauskommt. Sobald John die Nase zur Tür raussteckt, muss er mit Kuschelattacken rechnen. In unserem alten Haus macht jede Tür ein anderes Geräusch. Jeder weiß genau wie es klingt, wenn sich die Bürotür öffnet. Mit anderen Worten, ein heimliches Rein- und Raushuschen ist da nicht. Dennoch wagt sich John tagsüber regelmäßig in die Kuschelzone, was uns zu Regel #3 bringt.

      3. Arbeitsalltag vor Familienroutine

Das mag erstmal negativ klingen, aber eigentlich heißt es nur, dass die Kinder und ich alles stehen und liegen lassen, wenn John mal eine kurze unvorhergesehene Pause hat oder Meetings spontan abgesagt werden. Die Kinder sind überglücklich, wenn John mit ihnen eine „Extra-Toberunde“ einlegt, auch wenn es nur 5 Minuten sind. Gerade jetzt, wenn das Wetter schön ist, nutzen wir das kleine Intermezzo um alle gemeinsam frische Luft zu schnappen, bevor alle ihre vorherigen Tätigkeiten wieder aufnehmen.

  1. Die Arbeit bleibt im Home Office

Das ist, wie ich finde, die große Gefahr beim Home Office. Dass der Arbeitsplatz gleich um die Ecke ist und man mal eben „was gucken“ kann. Es ist ja nicht so, dass auf dem Telefon auch Emails eintrudeln, die man theoretisch schnell beim Abendessen checken könnte. Daher ist mir diese Regel persönlich am wichtigsten. Ich verzichte lieber auf eine gemeinsame Mahlzeit, wenn dafür nach getaner Arbeit das Telefon für den Rest des Abends liegenbleibt.

  1. Pause muss sein

John hat keine geregelten Pausenzeiten oder, wie beim Pendeln zum Beispiel, Zeit zum Abschalten. Wenn die Kinder nach einem langen Tag direkt auf ihn zustürmen (gemäß Regel #2), geht er praktisch nahtlos in einen Zweitjob über. Darum gibt es für ihn im Normalfall eine Pause zum Durchatmen, wenn nicht gerade ‘die Hütte brennt’.

Wenn jedoch die Hütte brennt, auch im Laufe des Tages, nehme ich mir das Recht John um Hilfe zu bitten, insofern es seine Arbeit erlaubt. Dann muss das Baby schon mal während einer Telefonkonferenz geschuckelt werden. Oder der große Zwerg darf Papas „Mickey-Mouse-Kopfhörer“ aufsetzen und dem Vorstand ‘hallo’ sagen. (Anm. der Redaktion: Das auf dem Bildschirm im Foto ist nicht der Vorstand!)

  1. Last but not least, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Während sich die obigen Regeln für uns bewährt haben, gibt es natürlich Ausnahmen oder eben Tage, an denen nicht alles nach Plan läuft.

Dann wird in der Tabuzone Home Office der Bürostuhl schon mal zum Kinderkarussell umfunktioniert. Oder die Home-Office-Tür wird polternd aufgeschlagen, wenn Papa ein Gesicht auf das frische Pflaster malen soll*. Aus dem „leise im Flur spielen“ wird ein lautstarkes Fußballmatch. Statt einer Pause für Papa am Ende des Tages gibt es Peppa Pig im Fernsehen und gemeinsames Kuscheln auf der Couch. (*Laut unserem Großen besteht Papas Arbeit aus einem Computer, einem Telefon und ganz vielen Stiften.)

‘Liebe in Zeiten der Corona’

Ich kann definitiv sagen, dass uns die 3 Jahre Home-Office-Erfahrung helfen mit der derzeitigen Situation umzugehen. Zwar hat der Lockdown auch für uns seine negativen Auswirkungen, vor allem auf unsere mentale Gesundheit. Eine zusätzliche Belastung für unser Familienleben stellt er jedoch nicht dar. Im Gegenteil, eher schweißt er uns noch mehr zusammen. Ich hoffe, dass es den Home-Office-Neulingen ähnlich geht und für sie ebenfalls die Vorteile des Arbeitens von zu Hause überwiegen.

Auch die traditionelle Rollenverteilung – sprich ich Vollzeitmama, John Gelderverdiener – kommt uns momentan zu Gute. Bei nicht jeder Familie ist das so unkompliziert möglich bzw. möchten nicht alle Mamas zu Hause bleiben, aber für uns ist es, nicht nur jetzt, das perfekte Lebensmodell.

Anstelle mich auf Homeschooling und Home Office konzentrieren zu müssen (was ich mir unheimlich schwer vorstelle) und Enttäuschung bei den Kindern, die nicht in die Kita können, bleibt bei uns alles beim Alten. Haussegen schief – Fehlanzeige!

Dazu aber mehr in meinem nächsten Artikel. Da verrate ich wie ich die Kinder den lieben langen Tag ohne großen Aufwand und allzu viel Fernsehen beschäftige. Bis dahin bleibt gesund und lasst euch die Home-Office-Decke nicht auf den Kopf fallen!

2 Comments

  1. Werner

    Ein Hallo nach Irland,
    schön von Euch zu lesen !
    Ich bin schon länger der Meinung, dass zuviele Leute noch Spesen in der Welt sammeln was elektronisch
    “Videokonferenz etc. “gelöst werden kann .
    Man kann aber schon feststellen ,dass Du mit der deutschen (sächsischen)Sprache in Konflikt kommst. Deine Kinder “mumpeln” und “mummeln ” nicht!
    Schönes Wochenende.
    Grüße von Schauer,s in Eilenburg!

    • Sylvia

      Ja das stimmt wohl, es lebe das Home Office. Wie geht es euch in Zeiten der Corona?
      Wortbedeutung/Definition “mumpeln”:
      sächsisch: (langsam) kauen, essen
      Muss ich das doch glatt abändern :-D. Danke für den Hinweis!

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