Warum Eltern von Kleinkindern kaum auszuhalten sind

12/12/2019

Es ist nicht gerade ein Vergnügen Zeit mit Eltern und ihren Kleinkindern zu verbringen. Insbesondere dann nicht, wenn man selber keine Kinder hat. Mitten im Gespräch kehren sie einem den Rücken zu, um ihren agilen Nachwuchs nicht aus den Augen zu verlieren. Oder sie laufen gleich ganz weg, um das Kind einzufangen, damit es nicht alles verwüstet, bevor der Gesprächspartner auch nur den ersten Satz vollendet hat. Jegliche Etikette und soziale Normen scheinen ihnen abhanden gekommen zu sein. Ihr Fokus liegt allzeit nur darauf, größere Verletzungen ihrer Sprösslinge und die Zerstörung fremden Eigentums durch selbige zu verhindern. Daher wird es durchaus als salonfähig erachtet, hastig Essen mit den Händen in den Mund zu stopfen. Für beide – Eltern und Kind. Sie denken nicht lange darüber nach, ob es sich gehört eine stinkende Windel im gleichen Raum zu wechseln, in dem ihre kinderlosen Freunde gerade eine Mahlzeit zu sich nehmen. Sie haben sich wahrscheinlich nicht einmal die Mühe gemacht ein frisches Oberteil anzuziehen, bevor sie das Haus verlassen haben. Einerseits weil es ohnehin nicht lange fleckenfrei geblieben wäre. Andererseits weil mitunter kein sauberes Kleidungsstück mehr vorhanden war, da sich die dreckige Wäsche höchstwahrscheinlich schon seit Tagen türmt. Für jemanden, der es nicht gewohnt ist kleine Kinder um sich zu haben, sieht es quasi so aus, als hätten frischgebackene Eltern ihre Manieren ganz und gar über Bord geworfen.

Ein Tag im Museum

Kürzlich besuchten wir mit unserem 2 1/2-Jährigen und unserem Neugeborenen das Naturkundemuseum in Dublin. Als wäre das nicht Herausforderung genug gewesen, hatten wir uns dort mit einem Freund und seinen 3-jährigen Zwillingen verabredet. Ich möchte vorab erwähnen, dass für diesen Artikel keine (ausgestopften) Tiere oder Kinder zu Schaden gekommen sind. Mein Mann John folgte brav den Richtungsanweisungen unseres Großen, der ihn mit den Worten „Look daddy, look“ aufgeregt durch die Ausstellungshalle schleifte. Unser Bekannter erklärte seinen staunenden Kindern ganz eifrig ein paar komisch aussehende Exponate. Gleichzeitig musste er zunächst selber die Beschriftung im Schaukasten lesen und in seinem Rucksack nach Snacks für die hungrigen Mäuler wühlen. Multitasking wie es im Buche steht. Natürlich waren die interessantesten Tiere – zumindest in den Augen unserer Jüngsten – in der oberen Etage, die derzeit wegen Renovierung geschlossen war. Das wurde uns lang und breit von einem älteren Herren der Museumsaufsicht erklärt. Der war anscheinend froh darüber, dass überhaupt einmal jemand etwas fragte. Er redete ausschweifend mit exzessiver Mimik und Gestik, beinahe wie bei einer Märchenstunde. Seine Ausführungen wurden von einem der Zwillinge unterbrochen, der mit Unschuldsmiene leise zu seinem Papa sagte „Ich muss mal pinkeln“. Das war uns allen ganz recht. Weniger passend sicherlich, wenn ein Freund (ohne Kinder) einem gerade sein Herz ausschüttet…

 Wie in einer überdrehten Komödie

Als wir uns wieder im Foyer sammelten, versuchte ich mir kurz vorzustellen, wie unser wuseliges kleines Grüppchen wohl auf Außenstehende wirkte. Was hätte ich damals gedacht, als ich vor 5 Jahren noch als Single Frau und ohne Kinder auf Sightseeing Tour war. Es war wie in einer amerikanischen Komödie, die man gar nicht bis zum Ende schauen mag, weil sie einem zu überdreht erscheint. Unserem Großen stand die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben. Dennoch gab es vehementen Protest bei dem Versuch ihn in den Kinderwagen zu setzen. Als das geschafft war, nahm er sein kontinuierliches Fragen nach Essen wieder auf. Als der Zwillingspapa sich kurz entfernte, um sein Parkticket zu verlängern, galt es die quirlige Bande im Zaum zu halten. Denn kurz vor der Müdigkeit wird bekanntlich noch einmal aufgedreht. Das kannte natürlich auch unser Freund nur zu gut und vielleicht gab es gar kein abgelaufenes Parkticket. Wie auch immer. Als unser Geräuschpegel im Foyer aus dem Ruder zu laufen drohte, hatte John die geniale Idee einen Pantomime-Schrei-Wettbewerb zu veranstalten. Eifrig mimten wir lautlos Schreie und rangen damit sogar dem grummeligen Wachmann ein Lächeln ab.

Kinder-Überraschung

Überraschenderweise kehrte unser Freund nach kürzester Zeit zurück und wir beschlossen gemeinsam Essen zu gehen. Ein Ereignis, vor dem es wohl den meisten Eltern graut. Seit unser Ältester laufen kann, habe ich es weitestgehend vermieden auswärts zu essen. Außer dass ich nicht selber kochen muss, hat es mehr Nachteile als Vorzüge. Zunächst muss ich das Kind beschäftigen bis das Essen kommt. Das bedeutet in jedem Fall nicht still am Tisch zu sitzen. Die Kinderportionen kommen zum Glück meist zuerst. Sie sind dann aber auch aufgegessen, wenn endlich mein Essen serviert wird. Damit wären wir wieder beim Beschäftigungsproblem. Seit das Laufen keine Neuheit mehr ist, kann es mitunter wieder ganz entspannt sein zusammen im Restaurant zu essen. Kann, muss aber nicht. Eine Garantie gibt es nie. Manchmal betritt man das Lokal mit dem bravsten Kind der Welt. Noch bevor die Speisekarte kommt, sitzt ein kleiner Satansbraten am, oder auch auf bzw. unter dem Tisch. Ich vergleiche es gern mit einer Kinder-Überraschung: man weiß nie was hinter der süßen Fassade zum Vorschein kommt.

Landeier in der Stadt

An dem Tag lief alles zivilisiert ab und wir konnten in Ruhe essen. An dieser Stelle auch nochmal ein Dankeschön an Lauren von Foley’s Bar! Großartiger Service und genau der richtige Sinn für Humor, wenn so eine arbeitsintensive Truppe wie wir zur geschäftigsten Zeit des Tages auftaucht. Wir hatten sogar Gelegenheit ein richtiges Gespräch unter uns Erwachsenen zu führen. Wenn man von dem fehlenden Blickkontakt, mehreren Anläufen ein Thema zu beenden und wildem Gestikulieren mit klebrigen Fingern absieht. Wir nutzten die Nachmittagsschwere unserer kleinen Energiebündel für einen Bummel durch Dublin City. Es war eine halbe Ewigkeit her seit wir das letzte Mal in der Stadt gewesen waren. Die Einkaufstraße Grafton Street war inzwischen in Grafton Quarter umbenannt worden. Unser Großer fragte uns mit staunenden Augen was das denn sei und zeigte auf die Straßenbahn. Ich machte meinen Mann auf das ‘neu renovierte’ Bewleys Café aufmerksam, das bereits im November 2017 wieder seine Pforten geöffnet hatte.

Heiße Schokolade statt Cocktails

Ausflüge wie diese sind bei uns selten geworden. Bei allem Aufwand den es bedarf das Haus mit so einer kleinen Rasselbande zu einer halbwegs vernünftigen Zeit zu verlassen, schätzt man solche Tage besonders. An diesem Morgen hatten wir alles stehen und liegen lassen und waren einfach losgefahren. Als wir so durch das neu ernannte Grafton Viertel schlenderten und ich die aufgehübschten Damen in ihren Miniröcken durch die Kälte huschen sah, erinnerte ich mich, wie normal es für mich noch vor einiger Zeit gewesen war an einem Samstagabend auszugehen. Jetzt fühlte es sich so an als hätte es in einem anderen Leben stattgefunden. Ich kann ehrlich sagen, dass ich mit niemandem hätte tauschen wollen, der gerade unterwegs in eine schicke Bar oder einen hippen Nachtclub war. Ich hätte in diesem Moment nicht zufriedener sein können, als mit meiner heißen Schokolade in der Hand. Unsere 2 Monate alte Tochter eingekuschelt an meinem Bauch. Mein Mann mit dem Kinderwagen neben mir, in dem unser Großer soeben eingenickt war.

Das Partyleben liegt eindeutig hinter mir. Sicherlich haben sich dadurch einige Freundschaften verändert oder sind sogar im Sande verlaufen. Andererseits habe ich durch die Kinder viele neue, wunderbare Bekanntschaften geschlossen. Und diese sind es, mit denen ich mich über die ganz eigene Welt einer Vollzeitmama austauschen kann. In dem Sinne noch einmal ein Dankeschön an den Zwillingspapa, mit dem wir einen herrlich unkomplizierten Tag in Dublin verbrachten. Und natürlich an meine Mami-Freundinnen, die mir inzwischen so wichtig geworden sind.

2 Comments

  1. Werner Schauer

    Hallo,
    klingt doch schon wie Routine! Wäre höchste Zeit die Familienplanung nochmals zu überdenken!
    Wir wünschen Euch ein friedliches Fest “trotz Boris” und ein friedliches Jahr 2o2o!
    Grüße aus Eilenburg!

    • Sylvia

      Haha, eins wieder abzugeben oder noch ein drittes hinzuzufügen ;-)? Na wir schauen mal…Euch ebenfalls frohe Weihnachten und einen guten Rutsch! Lieben Dank für’s fleißige Kommentieren!

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