Wie wir unser Traumhaus in Wicklow fanden

08/03/2020
image_pdfimage_print

Eigentlich war es ein Zufall, dass wir vor drei Jahren von Dublin in das County Wicklow umgezogen sind. Nicht dass wir umzogen, aber wohin. Es war also nicht so, dass wir uns bewusst für das schönste County des Landes entschieden haben. Direkt an der Küste und mit dem atemberaubenden Wicklow Mountains Nationalpark. Was obendrein ausgesprochen familienfreundlich ist und allerlei kinderfreundliche Aktivitäten zu bieten hat. So fanden wir unser Traumhaus und damit unser Glück in Wicklow:

Die Haussuche

Über ein Jahr lang informierte ich mich online über Kaufangebote für Häuser. Ich hatte einen Newsletter bei den wichtigsten Immobilien-Portalen abonniert, von denen ich regelmäßig Angebote bekam, die unseren Kriterien entsprachen. Es war quasi zu meiner täglichen Routine geworden morgens einen Blick auf die zum Verkauf stehenden Eigenheime zu werfen. Was die Suchmaschinen für mich herausfilterten, ging dann noch einmal durch meinen „Filter“, bevor es mein Mann John zu Gesicht bekam. Es lag also in meiner Hand unser Traumhaus zu finden.

Man wird doch wohl träumen dürfen

Hin und wieder verlor ich mich in der Fantasie vom Leben in einem gemütlichen, kleinen Cottage auf dem Land. Diese gab es zur Genüge, aber oft mitten im Nirgendwo. Während ich gedanklich schon unsere Kinder im Vorgarten herumspringen sah, musste mich John immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Wir arbeiteten beide in Dublin und jeden Tag mehrere Stunden auf den stark frequentierten Pendlerstrecken im Berufsverkehr zu verbringen, war nicht erstrebenswert. Dennoch wollte ich meine Klischee-behaftete Vorstellung vom Traumhaus zwischen grünen Hügeln und grasenden Schafen nicht ganz aufgeben.

Wird es ein Hattrick?

Aus der entspannten Suche nach unserem Traumhaus wurde ganz plötzlich eine Notwendigkeit als wir herausfanden, dass ich schwanger war. Wir hatten im Mai geheiratet und uns kurz darauf in weiser Voraussicht auf die Haussuche ein Auto gekauft. Damit, dass 2016 uns gleich so viele Großereignisse bescheren würde, hatten wir nicht gerechnet. Würden wir in diesem Jahr womöglich einen Hattrick in unserem persönlichen Spiel des Lebens erzielen?

Zu schön um wahr zu sein

Auf einmal flatterte ein Exposé herein, das zu gut klang um wahr zu sein. Ein Bungalow in einem Küstenort, etwa eine Dreiviertelstunde Fahrtzeit von Dublin entfernt. Neben der Lage war für mich besonders ausschlaggebend, dass er freistehend war. John hatte bis dato nicht daran geglaubt, dass wir mit unserem Budget etwas anderes als ein Reihenhaus finden würden. Er hatte die perfekte Größe und einen Garten vor und hinter dem Haus. Ein großzügiges Grundstück hatte für uns oberste Priorität. Darüber hinaus wollte John eine geräumige Küche und ich (Platz für) eine Badewanne. Alles schien laut Beschreibung und Fotos vorhanden zu sein. Unser Traumhaus?

Ich war ganz aus dem Häuschen (haha!), dass unser Traum(haus) nun in greifbare Nähe rückte. Das erste Mal schien – zumindest auf dem Papier – alles zu passen. Ohne überhaupt mit John Rücksprache zu halten, vereinbarte ich direkt einen Besichtigungstermin. John nahm es gelassen und war bei Weitem nicht so aufgeregt wie ich.

Der Beginn einer langen Reise?

An einem nebligen, regnerischen Tag Anfang September 2016 machten wir uns auf den Weg von unserem kleinen City Apartment in Rathgar auf’s Land zu unserer ersten Hausbesichtigung. Nach mehrmaligem Verfahren auf den schmalen, typisch irischen Landstraßen, erreichten wir endlich unser Ziel an der Küste von Nordwicklow. Ich war voller Hoffnung, denn irgendwie schien das unser Jahr zu sein. Andererseits wollte ich keine zu großen Erwartungen in den Termin setzen. Das Haus war bereits ungewöhnlich lange auf dem Markt und wir waren überzeugt, dass es einen Grund dafür gab. Und wie hoch waren die Chancen, dass wir gleich bei der allerersten Besichtigung auf unser Traumhaus treffen würden? Wir sahen es mehr als den Beginn einer langen Reise, auf die wir uns freuten und der wir gespannt entgegen sahen.

Schlechtes Omen

Der Makler begrüßte uns sehr freundlich und schien kein bisschen genervt, dass wir ihn wegen unserer Irrfahrt eine halbe Stunde hatten warten lassen. Wir betraten einen großzügigen Korridor, der nach einem aufdringlichen Raumerfrischer roch, der mir direkt in die Nase fuhr. Gerüche spielen ja bekanntlich eine entscheidende Rolle, wenn es darum ging, ob man etwas mochte oder nicht. Dieser schlug mir jedenfalls wie ein schlechtes Omen entgegen.

Gemischte Gefühle

Schweigend liefen John und ich Raum für Raum durch das reichlich 100 qm große, ebenerdige Haus. Mir gefiel was ich sah. Die Zimmer waren angenehm groß und räumlich voneinander abgetrennt. Wir waren beide keine Fans von offenen Wohn-Essbereichen, sondern bevorzugten das gemütliche Landhaus-Feeling. Es gab drei Schlafzimmer sowie zwei Wohnzimmer, letztere jeweils mit einem offenen Kamin. Die Küche war allem Anschein nach seit der Erbauung des Hauses in den 1970ern nicht mehr modernisiert worden. Aber sie hatte ihren ganz eigenen Cottage-Charme mit dunklen Balken an der Decke, von der Küchenutensilien herunterhingen.

Das Badezimmer war ein echter Schock. Uns wurde klar warum davon keine Bilder im Exposé zu finden waren. Die Wände und Armaturen spiegelten in ihrem kreischenden Türkis unverkennbar die Mode der 70er wider. Über der leicht vergilbten Eisenbadewanne baumelte eine viel zu niedrig montierte Dusche. Auch der schwere, in die Wand integrierte Spiegel ließ darauf schließen, dass die Vorbesitzer recht klein gewesen waren. Die Toilette mit ihrer schweren, schwarzen Klobrille hatte ebenfalls schon bessere Zeiten gesehen.

Geplatzter Traum

Mit der immer länger werdenden Liste reparaturbedürftiger Sachen, sah ich unseren Traum vom Traumhaus – zumindest von diesem – zerplatzen. Niemals würde John zustimmen ein Haus zu kaufen, in das wir zunächst so viel investieren müssten. Zwar lag der Kaufpreis in unserem finanziellen Rahmen, aber mit der 10% Anzahlung würden unsere Ersparnisse erst einmal aufgebraucht sein. Ich hatte mir einfach zu viele Hoffnungen gemacht und war nun enttäuscht. Denn bis auf die kosmetischen Makel konnte ich mir durchaus vorstellen hier zu leben.

Vom Garten und dem heiß ersehnten Meerblick konnten wir an diesem Tag nicht viel sehen. So dicht war der Nebel und es nieselte fies vor sich hin. Wir verabschiedeten uns von dem Makler und nach wie vor ohne groß zu reden trotteten wir den langen Gartenweg hinauf durch das kleine, schmiedeeiserne Tor, das quietschend hinter uns zufiel.

Füreinander bestimmt

Bis wir wieder im Auto saßen, hatte ich Johns Blick keine Tendenz entnehmen können. Erst als wir uns beide mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht ansahen, wusste ich, dass es ihm genauso ging wie mir. Er hatte lediglich vor dem Makler sein Pokerface wahren wollen. Das Haus hatte es uns beiden angetan. Es war nicht perfekt, aber perfekt für uns.

Mit einem Fuß im County Wicklow

Leicht perplex, dass gleich unsere erste Hausbesichtigung eingeschlagen hatte wie eine Bombe, versuchten wir uns das Haus halbherzig auszureden. Noch auf der Fahrt schrieb ich eine Liste mit Vorzügen und Mängeln, wobei ich mich bewusst auf die negative Seite konzentrierte. Wir konnten unmöglich gleich nach der allerersten Besichtigung unsere Haussuche beenden. Und in einen Ort ziehen, den wir kaum kannten. Und doch saßen wir nun hier, in einem Pub in besagtem Ort. John tippte wild auf seinem Handy herum um nochmals grob unsere Finanzen zu überschlagen. Ich murmelte immer wieder vor mich hin, dass wir unbedingt mehr Immobilien anschauen sollten, ohne es richtig ernst zu meinen.

Home sweet Home

In den drei Jahren, die wir nun in diesem, unserem Traumhaus wohnen, haben wir unsere Entscheidung nicht ein einziges Mal bereut. Es war Liebe auf den ersten Blick und wir lagen richtig mit unserem Bauchgefühl. Wir hatten beide das Potential des charmanten kleinen Bungalows erkannt und ihn in unser Zuhause verwandelt. Unsere Kinder wurden beide hier geboren (nein, keine Hausgeburten!) und wir fühlen einfach, dass wir angekommen sind. Das Haus hatte seinen ganz eigenen Charakter als wir es zum ersten Mal sahen. Und nun hat es seinen ganz eigenen Charakter mit unserem persönlichen Touch.

 

\\A M   R A N D E…//

Als wir 2016 unser Haus kauften, lag der offizielle Verkaufspreis für ein 3-Raum Reihenhaus im Co. Wicklow durchschnittlich bei rund €269.000. Zum Vergleich, im Co. Dublin waren es etwa €314.000. Der nationale Durchschnitt lag bei €221.000, wobei die Hauspreise im Co. Longford mit knapp unter €65.000 am niedrigsten waren.

Im Jahr 2019 sah das schon ganz anders aus. Der durchschnittliche Hauspreis im Co. Wicklow lag da bei über €322.000. Landesweit war er auf €265.000 geklettert. Co. Dublin war natürlich wieder an der Spitze mit €368.000. Das Schlusslicht bildete erneut Co. Longford, was aber auch auf immerhin €96.750 in 3 Jahren angestiegen war. (Quelle: myhome.ie)

Auch die Kaufbereitschaft hat sich in den letzten Jahren enorm gesteigert. Während 2013 24.568 Hauskäufe verzeichnet wurden, waren es in 2016 schon 40.150 und in 2019 45.276.

Am teuersten waren die Häuser bislang auf dem Höhepunkt des Celtic Tigers in 2007. In 2012 betrugen die Hauspreise knapp die Hälfte davon (46,7%). In 2019 stiegen sie bereits wieder auf 82,7% des Boomniveaus an. (Quelle: Central Statistics Office)

Write a Reply or Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: